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Umwandlungssatz: Fakten statt Lügen

Die Versicherungen sollen mit dem Pensionskassengeschäft das grosse Geld verdienen, behaupten die Gewerkschaften. Eigenkapitalrenditen von 10-15% sollen in Aussicht stehen. Schön wär’s. Dann…

Die Versicherungen sollen mit dem Pensionskassengeschäft das grosse Geld verdienen, behaupten die Gewerkschaften. Eigenkapitalrenditen von 10-15% sollen in Aussicht stehen. Schön wär’s. Dann könnten die Pensionskassen ihr Geld ja in diese hochrentablen Versicherungen investieren und wir hätten keine Finanzierungsprobleme unserer Altersvorsorge. Die Realität sieht aber ganz anders aus. Die Lebensversicherungen werden bekanntlich von der Finanzmarktaufsicht strikte überwacht und diese Aufsicht erstellt einen jährlichen Bericht über ihre Betriebsrechnungen.

Der Bericht 2008 (letzterhältlich Übersicht über die Betriebsrechnungen) zeigt ein paar bedenkliche Tatsachen auf. Bedenklich vor allem für die Aktionäre dieser Versicherungen, denn diese haben seit dem Jahr 2000 bis 2008 keinen Franken mit dem kollektiven Lebensversicherungsgeschäft in der Schweiz verdient, sondern insgesamt CHF 284 Mio. daraufgelegt. Gemäss den Solvenzvorschriften geht die FINMA für einen in allen Zweigen der Lebensversicherung tätigen Versicherer von einem Minimalwert für das Soll-Solvenzkapital von 10% der technischen Rückstellungen aus. Ende 2008 stellten sich die technischen Rückstellungen im Pensionskassengeschäft auf CHF 122 Mrd. Damit beträgt das Mindesteigenkapital rund CHF 12-13 Mrd. In den letzten 9 Jahren machten die Lebensversicherungen per Saldo einen Verlust von CHF 284 Mio. Das durchschnittliche Eigenkapital in dieser Zeit betrug mindestens CHF 11,7 Mrd. Man rechne! Von einer Eigenkapitalrendite von 10-15% keine Spur.

Im Jahre 2009 dürften die Lebensversicherungen wieder etwas Geld mit dem Pensionskassengeschäft verdient haben, weil sich die Finanzmärkte günstig entwickelten. Es versteht sich von selbst, dass die Lebensversicherungen in guten Jahren in diesem Geschäft Geld verdienen müssen, damit sie diese Risiken tragen können. Sie müssen auch Geld verdienen, damit sie das Haftungskapital parallel zum wachsenden Geschäftsvolumen aufstocken können. Zwischen dem kollektiven Lebensversicherungsgeschäft und den autonomen Pensionskassen besteht nämlich ein grosser Unterschied. Die Lebensversicherungen dürfen nicht in Unterdeckung geraten. Reichen die zur Bedeckung der Versicherungsverpflichtungen angelegten Gelder nicht aus, muss das Versicherungsunternehmen mit dem Eigenkapital für die Differenz einstehen, d.h. die Versicherungen müssen die Fehlbeträge aus der eigenen Tasche nachschiessen. Im Falle der autonomen Pensionskassen müssen die Arbeitnehmer und die Arbeitgeber die Sanierungen bezahlen. Deshalb wählen viele KMUs eine Versicherungslösung, damit sie nebst ihrem eigenen Geschäft nicht noch zusätzliche Risiken in der Altersvorsorge tragen müssen.

Die Gewerkschaften behaupten auch, dass es ein Leichtes sei, längerfristige eine Rendite von 5-6% auf den Kapitalanlagen zu erzielen. Bis heute konnte aber noch kein Gewerkschafter erklären, woher diese Renditen kommen sollen. Kein Gewerkschafter ist bereit, eine solche Rendite längerfristig zu garantieren. Dass auch die Gewerkschaften unfähig sind, gute Anlageresultate zu erzielen, haben sie ja mit ihren Spitzenleuten, die zusammen mit den Vertretern der öffentlichen Verwaltung im Stiftungsrat des Sicherheitsfonds BVG die Mehrheit haben, vordemonstriert. Den verantwortlichen Vertretern des Gewerkschaftsbundes, der Unia, und der Travail Suisse ist es in den Jahren 2007 und 2008 nicht einmal gelungen den BVG-Index-25 zu schlagen. Mit Verlusten von 0.7% statt einem Ertrag von 0.9% im Jahre 2007 und einem Verlust von 12%, statt wie der Index von 9,9% im Jahr 2008 blieben die Gewerkschafter in diesen zwei Jahren um 3.7% hinter dem Index zurück. Die von den Gewerkschaften attackierten Lebensversicherungen haben in diesen zwei Jahren immerhin Renditen von 3.6% und 0.9% erwirtschaftet, d.h. 17.5% mehr als die neunmalklugen Gewerkschafter. Hätten die Gewerkschafter gleichgut gearbeitet wie die Versicherungen, dann wäre das Vermögen des Sicherungsfonds BVG heute rund CHF 100 Mio. grösser. Aber selbst diese Erträge der Versicherungen lagen unter der notwendigen Verzinsung, weshalb die Versicherungen im Jahre 2008 in der Betriebsrechnung CHF 906 Mio. drauflegten. Damit wurden die Rekorderträge in den vorhergehenden drei Jahren wieder weitgehend aufgezehrt, wie nachfolgende Tabelle der FINMA zeigt:

Man muss sich schon wundern, warum Gewerkschaften mit solchen Phantasiegeschichten aufwarten müssen, um die Absenkung des Umwandlungssatzes zu bekämpfen. Offensichtlich fehlen ihnen echte Argumente. Es ist doch offensichtlich, wir werden immer älter und seit Einführung des BVG-Obligatoriums im Jahre 1985 ist die Anzahl der aktiven Beitragszahler pro Rentner von knapp 8 auf noch 3.9 gesunken. Die Finanzerträge unserer Pensionskassen liegen seit 10 Jahren deutlich unter der notwendigen Verzinsung von 4-5% für das Alterskapital der Rentner. Deshalb geraten immer mehr Pensionskassen in ein Finanzierungsproblem. Es wäre unverantwortlich, untätig zu bleiben und zuzulassen, dass unsere Pensionskassen längerfristig derart in Finanzprobleme geraten, dass die nächste Generation immer höhere Sanierungsbeiträge zur Aufrechterhaltung der zu hoch angesetzten Renten leisten muss.

über den Autor
Hans Kaufmann
SVP Nationalrat (ZH)
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