Editorial

1. August: Stolz, Demut und Verantwortung

Liebe SVP-Familie, liebe Freunde und Sympathisanten
Stolz, Demut und Verantwortung, drei Begriffe, die meine persönliche Gefühlslage rund um die 1.-August-Feierlichkeiten, den 728. Geburtstag unserer Heimat, der Eidgenossenschaft, beschreiben.

Albert Rösti
Albert Rösti
Nationalrat Uetendorf (BE)

Stolz

Am 1. August bin ich stolz auf unsere schöne Schweiz. Sparsamkeit, Fleiss und Pünktlichkeit gelten seit Jahrhunderten als helvetische Tugenden und sind über die Landesgrenze hinaus als typisch schweizerisch bekannt. Diese Tugenden sind auch die Grundlage dafür, dass es unserem rohstoffarmen Land, mit viel Bergen und unproduktiven Flächen, heute sehr gut geht.

Diese nationalen Werte sind ein Zukunftsmodell. Es ist dieses Empfinden von gemeinsamen Werten, das identitätsstiftend ist, das ein verlässliches und wertvolles Zugehörigkeitsgefühl schafft.

Auch überstaatliche Institutionen sollten sich nicht vor nationalen Identitäten, Werten und Symbolen fürchten. Mehr Respekt vor nationalen Werten wäre vielerorts hilfreich. Die im nahen Ausland oft erfolgten Geld-Versprechen der Politiker sind kein Ersatz für gefestigte Werte und eine gesunde Identität, das wiederholte Anmahnen von Solidarität noch weniger.

Wer sich unsere Werte bildhaft vor Augen führen will, dem rate ich in den nächsten Tagen die „Fête des vignerons“ zu besuchen. Das nur alle rund 20 Jahre stattfindende Spéctacle in der eigens dafür errichteten Arena mit 20‘000 Sitzplätzen in Vevey zeigt die Schweizer Kultur und Lebensart in moderner aber gleichzeitig bodenständiger Art, die weit über den Weinbau hinausreicht. Über 5000 Darsteller sind im Einsatz und vermitteln in etwa 30 Bildern, ein Gefühl von Heimat und Zusammengehörigkeit. Richtiggehend erschauern liess mich das Bild mit der Freiburger Züglete zu Alphornklängen, zur Freiburger Hymne „Joba“ und gespickt mit lebensfrohen Botschaften. So wie jene, als die junge Hauptdarstellerin ihren Vater fragt, weshalb der Mann beim Vortragen des doch so schönen Liedes weine und der Vater antwortet: „Weil er denkt, das Leben in dieser schönen Heimat gehe viel zu schnell vorbei.“

Es ist klar, dass wir vor allem am 1. August unsere zentralen Schweizer Werte wieder in  Erinnerung rufen müssen, damit unsere Wohlstandsinsel – die Insel der Glückseligkeit – überleben kann bei einer stürmischen und mittel- oder langfristig unsicheren Nachbarschaft.

Ein bisschen Glück, die Geografie, Fleiss und kluge Politik haben bisher dazu beigetragen. Darauf bin ich heute stolz.

Demut

Voller Stolz frage ich mich aber gleichzeitig, weshalb geht es uns heute gut? Wer hat das alles erschaffen?

Dann wird Stolz gepaart mit Demut. Demut gegenüber der Schöpfung, die uns diese wunderbare Umgebung, diese einmaligen Schönheiten, wie ich sie gerade in den vergangenen Tagen bei ein paar Ausflügen und Wanderungen erleben durfte, geschaffen hat. Sei dies die einmalige Landschaft der Weinberge am Genfersee oder die erstklassige Aussicht auf Alpen, Mittelland, Jura und den wunderbaren Thunersee, wie wir sie auf Wanderungen auf unsere Hausberge Sigriswiler Rothorn auf der einen und Stockhorn auf der anderen Seite erleben dürfen. Angesichts dieser Jahrtausende alten Gipfel sind wir Menschen klein, bescheiden und mit beschränktem Einfluss auf der Welten Lauf.

Letzte Woche, auf einem kleinen Ausflug mit den Mitarbeitenden des SVP-Generalsekretariats, ist mir einmal mehr die gewaltige Alpenfaltung unter dem Doldenhorn im Gasterntal ob Kandersteg aufgefallen. Ich dachte: „Eine unvorstellbare Kraft, das übersteigt unser Vorstellungsvermögen und macht demütig“.

Demut ist aber auch gegenüber unseren Vorfahren angesagt, die das politische System der Schweiz über Jahrhunderte zum Besten der Welt geprägt haben.

„Darum haben alle Leute der Talschaft Uri, die Gesamtheit des Tales Schwyz und die Gemeinde der Leute der untern Talschaft von Unterwalden im Hinblick auf die Arglist der Zeit zu ihrem besseren Schutz und zu ihrer Erhaltung einander Beistand, Rat und Förderung mit Leib und Gut innerhalb der Täler und ausserhalb nach ihrem ganzen Vermögen zugesagt gegen alle und jeden, die ihnen oder jemand aus ihnen Gewalt oder Unrecht an Leib oder Gut antun.“ Diese Botschaft des Bundesbriefes von 1291 gilt für die Schweiz noch heute.

Ohne Freiheit gibt es keine Selbstbestimmung. Unsere Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss immer wieder verteidigt werden gegen Druckversuche von aussen – aber auch von innen. In den letzten 100 Jahren konnte diesen Druckversuchen, oft unter Inkaufnahme grosser Risiken, immer erfolgreich widerstanden werden. So beim Generalstreik 1918, im zweiten Weltkrieg, bei der 68er Bewegung und bei den Diskussionen rund um den Beitritt der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum oder zur EU. Immer wieder konnte die direkte Demokratie erhalten werden.

Wir sind dank dieser direkten Demokratie an der Weltspitze in Bezug auf die Attraktivität des Standorts Schweiz, den Wohlstand, das Sozialsystem, die Verschuldung, ja sogar das Glücksgefühl der Menschen in unserem Land.

Das alles erfordert Demut gegenüber den älteren Leuten und früheren Generationen, die das erschaffen haben.

Verantwortung

Es liegt in unserer Verantwortung, dieses schöne Erbe zu erhalten und für die Zukunft weiterzuentwickeln. Heute müssen wir aber aufpassen, dass die Verwaltung und dass wir Politiker den Bürgern nahe bleiben. Die Politikverdrossenheit ist durch offene und die Probleme beim Namen nennende Politikerinnen und Politiker einzudämmen. Sie können am 20. Oktober entscheiden, in welche Politiker Sie diesbezüglich das grösste Vertrauen haben.

Gegen mehr Vereinheitlichung und Gleichmacherei – wie sie immer stärker gefordert werden von aussen, aber auch von innen, – gilt es Widerstand zu leisten. Sie wird sonst nur eines bewirken: Nivellierung gegen unten bei der Bildung, beim Fleiss, beim Lohn, beim Wohlstand, beim Arbeitseinsatz. Das kann nicht im Interesse von uns Schweizer Bürgerinnen und Bürgern sein.

Vielmehr muss unermüdlich daran gearbeitet werden, dass unter Berücksichtigung der Schweizer Interessen mit allen Staaten der Welt soweit wie möglich und vertretbar Handel und ein freier Austausch stattfinden können. Ich plädiere für eine weltoffene Schweiz, eine weltoffene Schweiz aber ohne Rechtsansprüche der anderen Staaten auf Übernahme ihres Rechts. Und ohne Rechtsanspruch der Bürger anderer Staaten auf Zuwanderung in die Schweiz.

Unsere direkte Demokratie, zusammen mit eigenständigen Lösungen und Freiheit, haben sich für unsere Gesellschaft und Wirtschaft bewährt. Unsere Verantwortung besteht nicht darin zu meinen, wir müssten die ganze Welt retten, um uns auf der Weltbühne im Rampenlicht zu sonnen. Das bringt der Welt nichts und ist gar schädlich für unser Land. Wer glaubt, für alles Verantwortung tragen zu müssen, trägt am Ende nirgends Verantwortung.

Unsere Verantwortung besteht darin, für die Grundwerte unseres Landes einzustehen und diese auch immer wieder einzufordern.

Für die nahe Zukunft heisst das: Bleiben wir unabhängig, und werden wir nicht Teil von grossen Gebilden wie der EU. Leben wir gute verlässliche Partnerschaften, aber ohne Einbindung in Macht-Systeme, aus denen man kaum je wieder rauskommt.

Geniessen Sie mit Stolz und der nötigen Demut den Nationalfeiertag der Schweiz!

Tragen Sie, wo immer Sie können, die Verantwortung für den Erhalt unserer Schweizer Werte!

Bleiben wir die Schweiz, frei und sicher!

Albert Rösti
Albert Rösti
Nationalrat Uetendorf (BE)
 
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