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Editorial

Lehrermangel: Führungsverantwortung im Klassenlehrersystem als Antwort

Der Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer fordert fünf Jahre Studium, d.h. ein Masterabschluss für Lehrer aller Schulstufen. Heute absolvieren Kindergärtnerinnen und Unterstufenlehrer ein…

Der Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer fordert fünf Jahre Studium, d.h. ein Masterabschluss für Lehrer aller Schulstufen. Heute absolvieren Kindergärtnerinnen und Unterstufenlehrer ein dreijähriges Bachelor-Studium. In den letzten Jahren wurde der Beruf des Lehrers stark verakademisiert. Verheerend sind die Konsequenzen vor allem in der Oberstufe. Statt zu rufen, „Halt! Kehrt!“, soll mit Vollgas das bewährte Klassenlehrersystem gänzlich an die Wand gefahren werden.

Die Verakademisierung des Lehrerberufs und die damit verbundene Abwendung der Schulen vom Klassenlehrer-System bei gleichzeitiger Bevorzugung des Fachlehrer-Systems und des sogenannten Teamteachings haben den Lehrermangel drastisch verschärft. Die SVP hat die These, dass der Lehrermangel dort am ausgeprägtesten sei, wo der Trend zur Abkehr vom Klassenlehrer-System am weitesten fortgeschritten ist, bereits im Mai 2009 im ihrem Papier „Der Lehrer“ aufgezeigt. Dieser These wurde nicht widersprochen.

Ohne demokratische Abstützung in den Kantonen hat die Erziehungsdirektorenkonferenz das Prinzip bei der Oberstufenlehrerausbildung durchgesetzt, dass jeder Lehrer, die Befähigung erwirbt, vier frei wählbare Fächer unterrichten zu können. In der Praxis bedeutet dies eine weitere Verabschiedung vom Klassenlehrersystem und vom „Allgemeinpraktiker“. Ganz zu schweigen vom bürokratischen Aufwand beim Erstellen der Stundenpläne und der zunehmenden Abkehr von Anstellungen zu 100% bei Lehrern. Der Lehrerberuf wird dadurch abgewertet. Ein enormes Defizit an naturwissenschaftlich ausgebildeten Lehrern ist die Folge. Das hat und wird schwerwiegend-negative Auswirkungen bis auf die Hochschulen und den Forschungsplatz Schweiz haben. In der Unterstufe wird das Klassenlehrersystem durch das sogenannte Teamteaching-System abgelöst.

Das Klassenlehrer-System ist ein bewährtes System, dass die Lehrperson zur Übernahme von Verantwortung und zur Führung der Klasse angehalten hat. Für Schülerinnen und Schüler sind starke Lehrer-Persönlichkeiten, an denen sie sich orientieren können, enorm wichtig. Die Entwicklung verläuft jedoch genau in die entgegengesetzt Richtung. Es gibt immer mehr faktisch ungeführte Klassen, die zunehmend anarchische Tendenzen aufweisen. Die Energie der Lehrpersonen wird für das Aufarbeiten von Konflikten innerhalb des Teams aufgewendet, anstelle dessen, dass klare Verantwortlichkeiten pro Klasse festgelegt und durchgesetzt werden. Dazu kommt die Problematik, dass es auch immer weniger 100%-Stellen im Lehrerberuf gibt. Es wäre vielleicht ehrlicher zuzugeben, dass deshalb das Teamteaching-System überall eingeführt werden soll. Jeder kennt ja die Abkürzung für Team: Toll ein anderer macht es. Oder wie es die Bildungskommission der SVP formuliert hat: „Wer von kohärenten Lehrerteams im Schulalltag träumt, verliert sich ins Reich der Illusionen.“

Die theoretisch-fachliche Ausbildung der Lehrer ist wohl genügend, aber viel zu wenig praxistauglich. Die Führungsausbildung fehlt gänzlich und die ständige Reformitis an den Schulen nimmt Kraft und Zeit und verhindert damit die notwendige Gestaltungsfreiheit. Gerade diese Freiheiten innerhalb des Lehrplans würden die Attraktivität des Lehrerberufs steigern. Zusätzlich muss erwähnt werden, dass viele Lehrer von Seiten der Schulbehörden zu wenig Unterstützung erfahren. Nach wie vor tun sich die Behörden auch schwer, unfähige Lehrpersonen zu entlassen.

Eines ist klar: Ein Marschhalt und eine konsequente Rückkehr zum Klassenlehrersystem und nicht die weitere Verakademisierung des Lehrerberufs ist gefragt. Lebenserfahrung, gerade auch aus anderen Bereichen und Freude am Unterrichten einer Klasse in Freiheit und Verantwortung sind gefragt und nicht noch mehr Diplome.

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Silvia Bär
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