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Editorial

Medien, Wissenschaft und Politik: Mehr Objektivität und Transparenz bitte!

Dass sich die Wissenschaft in heutiger Zeit gerne in den Dienst politischer Ziele stellt, wissen wir nicht erst seit dem Waldsterben und der Klima-Debatte. Dass die Medien dabei häufig die Rolle…

Dass sich die Wissenschaft in heutiger Zeit gerne in den Dienst politischer Ziele stellt, wissen wir nicht erst seit dem Waldsterben und der Klima-Debatte. Dass die Medien dabei häufig die Rolle des unkritischen Sprachrohrs oder gar Verstärkers spielen, ist hingegen ärgerlich. So wieder einmal geschehen in der vergangenen Woche, als eine medizinische „Studie“ aus dem Kanton Graubünden fast überall Schlagzeilen machte. Kritisch hinterfragt wurden die Resultate kaum irgendwo. Während in diesem Fall den Medien eher Unvermögen denn Absicht unterstellt werden dürfte, schockt der gestern erbrachte Nachweis der institutionellen Verflechtung zwischen der Spitze des Schweizer Fernsehens und den Gewerkschaften.

Seit dem 1. März 2008 gilt im Kanton Graubünden ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen. Gemäss einer breit aufgenommenen Meldung in zahlreichen Medien will nun eine „Studie“ aufzeigen, dass die Zahl der Herzinfarkte aus diesem Grund massiv zurückgegangen sei. Das Rauchverbot entfalte also umgehende und unmittelbare Wirkung. Betrachtet man die Meldungen genauer, sieht man, dass die Studie offenbar auf der Betrachtung von drei statistischen Zahlen beruht: der Zahl der Herzinfarkte in den beiden Jahren vor Einführung des Rauchverbots und der Zahl der Herzinfarkte im Jahr nach Einführung des Rauchverbots – 229, 242, 183. Man muss nicht Statistik studiert haben, um zu sehen, dass aus der Menge der Fälle, den Differenzen zwischen den Zahlen und aus der Dauer der Zeitreihe keinerlei signifikante Schlussfolgerungen gezogen werden können. Gänzlich abenteuerlich wird es, wenn dann mit diesen Zahlen noch eine Bewertung des Zustands von Teilmengen daraus hergeleitet wird. So hat die Schlussfolgerung, dass wegen des Rauchverbots auch bei Feriengästen im Kanton Graubünden weniger Herzinfarkte festzustellen waren, schon fast komödiantisches Niveau. Während andere Medien diesen sensationellen „Erfolg“ ohne weiteres Nachfragen – teilweise auf der Frontseite bzw. mehrfach am gleichen Tag – vermeldeten, ist dem Schweizer Fernsehen wenigstens zugute zu halten, dass die Journalistin in der Tagesschau einem Herzspezialisten, der nicht an der Studie beteiligt war, die Frage stellte, ob das Resultat nicht ein Zufall sein könne. Dieser musste dann auch mehr oder weniger explizit zugeben, dass aus den Zahlen keine direkte Kausalität zum Rauchverbot abgeleitet werden könne. Studien aus anderen Ländern zeigten hingegen das gleiche Bild, und deshalb müsse es schon stimmen… Die Medien dürften durchaus wieder einmal etwas genauer hinschauen, auch wenn der Absender aus der „Wissenschaft“ kommt.

Unerträgliche Verbandelungen des Fernsehdirektors
Genau hingesehen hat gestern offenbar die Zeitung „Sonntag“. Sie hat aufgedeckt, dass zwischen dem Direktor des Schweizer Fernsehens, Ueli Haldimann, und den Gewerkschaften institutionelle Verknüpfungen bestehen. Haldimann sitzt im Verwaltungsrat eines Verlags, dessen Konsumentenpublikationen gemeinsam mit den Gewerkschaften das Referendum gegen den BVG-Umwandlungssatz zustande brachten. Der Verwaltungsratspräsident der Firma, René Schuhmacher, ist zudem Verwaltungsrat der Gewerkschaftszeitung „Work“. Mit seinem bisher in der Öffentlichkeit nicht bekannten unternehmerischen Engagement neben seiner Tätigkeit als Fernsehdirektor bedient Haldimann damit bestens das Klischee vom „linken Filz“ beim Schweizer Fernsehen. Ein Mangel an Transparenz ist das eine, fehlende Unabhängigkeit das andere. Herr Haldimann muss sich entscheiden. Ist er nun Fernsehdirektor oder Verwaltungsrat im Propaganda-Netzwerk von Gewerkschaften und Konsumentenorganisationen. Beides zusammen geht nicht.

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Martin Baltisser
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