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Editorial

Vollgeld-Initiative = voll daneben!

Die radikale Vollgeld-Initiative – über die wir am 10. Juni abstimmen – verbietet den Banken, mit dem Geld auf Zahlungskonten zu arbeiten. Das verteuert Finanzdienstleistungen, Hypotheken und Kredite. Die Zeche zahlen das Gewerbe und der normale Bürger. Das ist voll daneben. Die Schweiz sollte nicht vorpreschen und ein System einführen, an das sich noch kein anderes Land dieser Welt gewagt hat.

Hand aufs Herz: Versuchskaninchen spielen möchte wohl niemand, das Risiko wäre zu gross. Genau dieses Risiko aber geht die Schweiz ein, sollte sie der Vollgeld-Initiative zustimmen. Eine Fahrt ins Ungewisse kann man sagen, denn weltweit kennt kein anderes Land so ein System, wie es die Vollgeld-Initiative einführen will. Ohnehin ist zu hinterfragen, wieso man ein gut funktionierendes System auf den Kopf stellen will, wenn sich die Risiken der Umstellung bereits heute am Firmament abzeichnen. Wir haben uns zurecht immer dagegen gewehrt, die Nationalbank (SNB) unter einen politischen Schirm zu stellen, denn sie soll unabhängig bleiben. Diese Initiative aber macht die SNB handlungsunfähig, sie würde der Möglichkeit beraubt, ihre geld- und währungspolitische Aufgaben zu realisieren. Mit anderen Worten: es ist ein Hochrisikoexperiment mit explosivem Charakter. Deshalb: Finger weg!

Hochrisikoinitiative gefährdet insbesondere auch das Gewerbe
Besonders fatal wirkt sich das Ansinnen der Initianten auf Gewerbe und KMU aus. Weil die Geschäftsbanken in einem Vollgeldsystem für die Vergabe von Krediten keine Zahlungskonten-Gelder verwenden dürfen, nämlich nur noch Spargelder, wären sie für die Kreditvergabe gezwungen, das Kapital dafür teuer auf dem Finanzmarkt zu besorgen oder bei der SNB ein Darlehen aufzunehmen.

Bis jetzt hatten wir ein Modell der Kreditvergabe, das berechenbar und transparent ist, auf gegenseitigem Vertrauen beruht und sich in allen Belangen bewährt hat. Die Banken konnten bis anhin flexibel auf die Bedürfnisse der KMU in ihrer Region eingehen, reagieren und entsprechende Investitionen finanzieren. Dafür schaffen die Banken das sogenannte Buchgeld, das auf dem Konto des jeweiligen Kunden gutgeschrieben wird. Dieses Erfolgsmodell muss auch für die Zukunft gelten, wenn der Werkplatz Schweiz weiter erfolgreich bestehen soll. Geht es aber nach der Initiative, ist dies in Zukunft nicht mehr möglich.

Vollgeld-Initiative würde die Unternehmensfinanzierung verteuern
Ein schwieriger und teurer Prozess würde entstehen, wenn die Banken das Geld zuerst mühsam bei Anlegern suchen müssen. Für grosse, international tätige Unternehmen hingegen bietet sich jedoch die Möglichkeit auch im Ausland nach Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen, das ist für uns KMU und Gewerbler nicht möglich und bedeutete ein Nachteil, der uns Kopf und Kragen kosten wird. Und das haben wir in keiner Art und Weise verdient, wir haben genügend andere Probleme und Nachteile, die wir tagtäglich in unseren Betrieben lösen müssen um am Ball zu bleiben.

Diesen Bumerang wollen wir nicht! Teure und schwierig zu beschaffende Hypotheken und Kredite treffen die KMU und das Gewerbe mitten ins Herz. Auch Private sind davon nicht ausgeschlossen. Wenn ein Unternehmen am Leben bleiben soll, müssen Investitionen getätigt werden, denn ein Betrieb muss fit bleiben, um auch in Zukunft zu bestehen, innovativ und am Puls des sich dauernd verändernden Umfeldes. Arbeits- und Ausbildungsplätze hängen von diesem bedeutenden Faktor ab.

Die Mehrheit in Bundesbern lehnt die Kamikaze-Initiative ab
Viele Parteien und Verbände, denen die Bedeutung unserer KMU und des Gewerbes bewusst ist und damit die Gefahr, welche von dieser Vollgeld-Initiative ausgeht, lehnen deshalb das Ansinnen aus Überzeugung rundweg ab: zurück an den Absender!

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SVP Nationalrätin (AG)
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