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Auftrag der Volksschule: Lebenstauglichkeit, Mitmenschlichkeit, Berufs- und Wirtschaftstauglichkeit

Eigentlich ist es ganz einfach, was der Auftrag der Volksschule sein sollte. Nämlich unsere Kinder zu bilden, sie mit genügend Wissen und Kenntnis aus zu statten, damit sie am Ende der Schulzeit…

Eigentlich ist es ganz einfach, was der Auftrag der Volksschule sein sollte. Nämlich unsere Kinder zu bilden, sie mit genügend Wissen und Kenntnis aus zu statten, damit sie am Ende der Schulzeit mit einer soliden Basis den Start ins Berufs- und Gesellschaftsleben problemlos antreten können. Die Realität sieht leider häufig anders aus. Etliche Erziehungsdirektoren und deren Departementsverwaltungen haben vor lauter Schulreformen den Blick für das Wesentliche verloren. Statt unsere Kinder bilden zu können, müssen sich die Lehrkräfte heute zu einem grossen Teil mit administrativen Arbeiten beschäftigen. Statt die Kinder zu unterrichten, müssen sie mit viel Zeitaufwand Portfolios über die Kinder anlegen. Statt die Kinder individuell zu fordern und fördern, müssen die Lehrkräfte alle Schüler, von lernschwach bis hyperintelligent, in einer Klasse unterrichten. Das ist definitiv nicht die richtige Entwicklung für eine lebens- und wirtschaftstaugliche Zukunft unseres Landes. Ja, ich bin mir bewusst, dass diese Behauptung gerade etwas provokativ ist. Aber, meine Damen und Herren, wo bleibt bei der ganzen und unaufhörlichen Schulreformitis das Kind? Wo ist der gesunde Menschenverstand geblieben?

Lebenstauglich sein, heisst unter anderem, über eine gute Allgemeinbildung zu verfügen. Wenn aber ein Teil unserer Jugend heute nicht mehr weiss, wie viele Kantone die Schweiz hat, welches die Hauptstadt unseres Landes ist oder wie viele Bundesräte es gibt, dann ist das für mich äusserst bedenklich. Statt grundlegende Kenntnisse zu vermitteln, werden die Kinder heute schon möglichst früh mit Fremdsprachen konfrontiert, noch bevor sie sich das wirklich wichtige Allgemeinwissen aneignen konnten. Lebenstauglichkeit heisst für mich aber auch, mal auf die Zähne zu beissen, sich auch mal mit unangenehmen Dingen auseinander setzen zu müssen, wie z.B. Hausaufgaben an einem schönen, sonnigen Nachmittag zu erledigen. Wir leben nicht in einer Kuschelgesellschaft, wo jeder gerade das machen kann, worauf er Lust hat. Wenn die Kinder heute in der Schule im Unterricht lernen, sich mit dem zu beschäftigen, worauf sie gerade Lust haben, entspricht das nicht dem realen Leben, welches sie später im Erwachsenenalter erwartet. Um Lernerfolge zu erreichen braucht es Ausdauer, Disziplin und Beharrlichkeit. Und Lernerfolge müssen, wohl oder übel, bewertet werden. Ohne Noten sind Lernerfolge kaum messbar.

Wenn die Volksschule unsere Jugend zu Mitmenschlichkeit erziehen soll, braucht es klar eine Klassenlehrerperson. Denn nur wenn eine Lehrperson jeden einzelnen ihrer Schüler kennt, kann sie diese auch individuell in ihrer Persönlichkeitsentwicklung begleiten. Eine Lehrperson kennt ihre Schüler nur, wenn sie sie auch regelmässig unterrichtet. Nur ist der typische Klassenlehrer in der ganzen Schulreformitis leider auch verlorengegangen.

Und wenn wir schon beim Thema Mitmenschlichkeit sind: Der grösste Fehler, den irgendwelche Bildungspolitiker und Verwaltungsangestellte gemacht haben, ist die krampfhafte Gleichmacherei unserer Jugend. Alle, egal ob lernschwach oder lernstark, besuchen dieselbe Klasse. Die Lernschwachen werden von Heilpädagogen begleitet, während die Lernstaken sich mit Workshop-Aufgaben selber beschäftigen. Das Ganze nennt man dann klangvoll „Integrativer Unterricht". Kleinklassen wurden abgeschafft. Und wenn man nun bei den Lehrkräften, den Eltern und den Kindern nachfragt, ist niemand überzeugt von diesem Konzept.

Ich erwarte von der Volksschule, dass sie sich wieder vermehrt ihrem Auftrag widmet und unsere Kinder zu leistungsfähigen und leistungsbereiten jungen Menschen bildet, damit ihnen ein optimaler Start ins Berufsleben gelingen kann. Dazu braucht es eine kompetente Führung und Beurteilung der Schüler durch die Klassenlehrperson, es braucht sehr gute Kenntnisse primär in der entsprechenden Landessprache, bevor voreilig mit Fremdsprachen begonnen wird, es braucht dringend allgemeinbildende Fächer und einen Unterricht, in welchem die Kinder angeregt werden, mit Kopf und Hand zu lernen. Unsere Gesellschaft braucht nicht nur Akademiker, wir brauchen auch Handwerker.

Ich als Arbeitgeberin und Lehrmeisterin wünsche mir, dass die Schulabgängerinnen und Schulabgänger bei ihren Bewerbungen wieder lernen, darauf zu achten, dass die Bewerbungsdossiers sauber und vollständig sind, ohne Kaffeeflecken und Eselsohren, mit gerade ausgeschnittenen Fotos und ohne unzählige Schreibfehler. Dies ist kein Vorwurf an die Schulabgänger, sie haben es ja nicht wirklich lernen können, es wurde ihnen nicht beigebracht. Vielmehr zeigen solche Beobachtungen, dass die Volksschule tatsächlich ihren Auftrag heute oft nicht erfüllt. Die Leidtragenden sind schliesslich die Jungen, welche Mühe haben eine Lehrstelle zu finden bzw. die Lehre erfolgreich zu beenden.

Ich glaube an unsere Jugend, und ich glaube an die ganz vielen motivierten Lehrpersonen, die ihren Beruf mit viel Herzblut ausüben – nun hoffe ich sehr, dass ich auch daran glauben kann, dass die Bildungspolitiker und die Verantwortlichen in den Kantonen merken, dass die Volksschul-Reform gescheitert ist und sie wieder zurück zum gesunden Menschenverstand kommen müssen. Denn Kuschelpädagogik erschwert unseren Kindern den Start ins Berufs- und Gesellschaftsleben. Oder wie Jeremias Gotthelf sagte: „Schwerer Anfang ist zehnmal heilsamer als leichter Anfang."

 

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