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Referat
Medienkonferenz vom 02. November 2010

Das Gewerbe und die Leistungsanforderungen an die Schule

Mit dem Lehrplan 21 konstruiert die EDK offensichtlich ein Trojanisches Pferd. Sie spricht von einem neuen Lehrplan, strebt aber für die Umsetzung die Durchsetzung gesamtschweizerisch…

I. Kritik am Lehrplan 21
Mit dem Lehrplan 21 konstruiert die EDK offensichtlich ein Trojanisches Pferd. Sie spricht von einem neuen Lehrplan, strebt aber für die Umsetzung die Durchsetzung gesamtschweizerisch vereinheitlichter Vorgaben sowohl für den Unterricht als auch für das Unterrichten an. Sie will mit dem Lehrplan 21 eine «moderne» und «veränderte Sichtweise auf das Lehren und Lernen» verwirklichen, womit eine grundlegende Veränderung der Unterrichtsmethoden in den Schweizer Schulzimmern durchgesetzt werden soll.

Im Bildungspolitischen Kontext soll der neue Lehrplan „Ausdruck sein, des politisch breit abgestützten Willens, das Schulwesen in der Schweiz stärker zu harmonisieren“.Der Deutschweizer Lehrplan soll laut Auftrag der deutschsprachigen EDK-Konferenz ein „gebrauchsfertiges Produkt“ und kein Rahmenlehrplan werden.

Nun zielt dieser Lehrplan auf vollkommene Gleichschaltung. Ein eigentliches Prestige-Objekt, welches nebst den bisherigen sehr hohen Projektkosten wesentliche Folgekosten auslösen wird, indem dann auch in erheblichem Umfang neue Lehrmittel zu entwickeln sein werden.

II. Der Sinn eines leistungsorientierten Lehrplans
Eigentlich wären Lehrpläne dazu da, klare, überprüfbare Leistungsanforderungen für Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen festzulegen. Aufgabe der Lehrkräfte ist es dann, ihre Klassen so zu unterrichten und zu führen, dass die Schüler die ihnen gesetzten Ziele erreichen können. Von den jungen Leuten werden altersgerechte Leistungen verlangt, die zu erreichen sind, damit die Promotion in die nächst höhere Klasse erfolgen kann.

In der Pädagogik gibt es keine einfache Formel für den komplexen Begriff „Leistung“, denn bei der Bewertung schulischer Leistungen geht es zum einen um das Ergebnis einer Tätigkeit, ein Produkt im weitesten Sinne, dass Qualität an einem bestimmten Massstab gemessen wird; zum andern aber auch um den Verlauf, den Lern- und Aneignungsprozess, eine geistige oder körperliche Tätigkeit, die eben mit einer gewissen Anstrengung verbunden ist.

Und wenn nun wir Eltern, Lehrmeister oder unsere Lehrkräfte von unseren Kindern und Jugendlichen „Leistung“ verlangen, dann tragen wir von aussen an sie bestimmte Erwartungshaltungen heran. Gleichzeitig ist es aber auch der Wunsch jedes Menschen – auch unserer Kinder – selbst etwas herzustellen, zu bearbeiten, zu lernen, zu erreichen und dies mit Freude zu tun. Eine gelungene Leistung schafft dem Menschen Befriedigung, vermittelt Achtung und Anerkennung, stärkt Selbstbewusstsein und Identität.

Die ehemalige Kultusministerin von Baden-Württemberg hat 2002 nach den Veröffentlichungen der Pisa-Resultate zum Bildungsgefälle in Deutschland gesagt:
„Leistung ist das Prinzip der Gerechtigkeit“.

III. Erwartungen an die Volksschule
Bei den Schülern ist diese Leistungsbereitschaft zu wecken. Denn nur was jemand gerne tut, tut er recht. Kinder sollen, ja müssen Leistung zeigen – und sie werden dafür gelobt. Das stärkt und unterstützt junge Menschen, eine positive Einstellung zur Arbeit zu gewinnen.

Aller Unterricht aber bleibt nutzlos, wenn dieser Stoff nicht gefestigt, geübt, mit einleuchtenden, altersgerechten Beispielen veranschaulicht wird. Richtiges Üben vermittelt dem jungen Menschen Sicherheit in der Anwendung, also Selbstvertrauen, Spass an der Arbeit. Soll in der Schule nicht gelten, was in Freizeit, Sport, Mussezeit selbstverständlich ist? Altersgerechtes Üben in der Schule als «Drill» abzutun – das bringt nur fertig, wer von menschlicher Natur und Bildungsvermittlung nichts versteht. Der Frage: «Wie wär’s mit Üben?» wird ausgewichen.

Als Lehrmeister, und diese Erfahrung dürfte nicht neu sein, stelle ich einfach fest, dass klare Defizite bestehen bei den Grundfertigkeiten, also Lesen, Rechnen, Schreiben einerseits, aber auch bei den Sozialkompetenzen wie Ausdauer, Sorgfalt, Ordnung, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit.

Es kann doch nicht sein, dass wir laufend mehr Mittel, monetäre und personelle in die Bildung investieren, ohne damit das Niveau und die Leistung nicht zu verbessern. Es kann doch nicht sein, dass die Lehrbetriebe den Auszubildenden beibringen müssen, wie beispielsweise der Sparrenabstand bei einem Dachstuhl zu berechnen ist, oder wie der „Pythagoras“ funktioniert, um einen Rechten Winkel zu definieren. Oder das Verstehen der deutschen Sprache. Man kann wohl lesen, versteht aber den Text eines Briefes nicht, um entsprechend Antwort zu geben. Es kann auch nicht sein, dass den jungen Menschen Dinge beigebracht werden müssen, die eigentlich in den Erziehungsbereich der Eltern fallen.

Feststellung 2: Die nunmehr geleiteten, sprich von Bildungs- Direktion und Verwaltung ferngesteuerten Schulen haben keine Handlungsfreiheit mehr. Der wuchernde administrative Aufwand lässt weder den lokalen Schulbehörden noch den Lehrkräften Zeit für pädagogische Überlegungen.

Feststellung 3: Es braucht eine klar definierte Leistungsmessung, also Prüfungen und Noten, die ehrlich über das Erreichte Auskunft geben. Eine Leistungsschule also.

IV. Leistungsschule hat Erfolg
Dass die Leistungsschule Erfolg hat, beweist die Georg-Weerth-Oberschule, eine von 84 Realschulen in Berlin. Diese Schule wird von Schülern im Alter von 13-17 Jahren besucht. Die Schule garantiert jedem Schüler nach Abschluss einen Ausbildungsplatz. Die Schule vereinbart mit den Schülern klare Ziele, alle halten sich an Spielregeln und die Unterrichtsqualität sei hervorragend. Laufend wird da die Leistung gemessen und verglichen. Wo stehen wir? Was haben wir erreicht? Wo müssen Stunden oder Pensen neu verteilt oder anders gewichtet werden. Sie habe begriffen, sagt die Schulleiterin, dass Schule Profil braucht, wie ein Unternehmen, das ein gutes Produkt anbietet, das es messen, bewerten, verbessern muss. Die Schule hat im Kollegium ein Expertenteam Berufsorientierung gebildet, welches sich nur um Ansprechpartner, Praktikumsplätze, Betriebsführungen und Lehrstellen kümmert. Die Eltern werden voll in diesen Prozess miteinbezogen. Im 2004 wurde dieser Oberstufe der Titel „Leistungsschule“ vom Verein Berliner Kaufleute und Industrieller verliehen. Mittlerweile kommen die Unternehmen selber auf die Schule zu und bieten Ausbildungsplätze an. Die Schule befragt regelmässig Unternehmen, was ihren Absolventen noch fehlt. Das Feedback wird genutzt, um Schwachstellen im Lehrplan aufzudecken und zu eliminieren.

V. Unabdingbare Voraussetzung
Wir müssen uns tatsächlich überlegen, ob wir lieber ein solches System wollen oder überall eine gleiche „harmonisierte“ Volksschule, wo nur noch gleich gerichtete und ebenso harmonisierte Lehrkräfte mehr oder weniger lustvoll unterrichten.

Eine gute Schule lässt sich nur verwirklichen und aufrecht erhalten mit guten, motivierten Lehrern. Statt laufend mit kurzatmigen organisatorischen Neuerungen Unruhe in den Schulbetrieb zu bringen, müsste die Politik alles daran setzen, jene Lehrer für die Schule zu gewinnen, die hohe Unterrichtsqualität sichern. Das heisst, Abschied-Nehmen von der zunehmend universitär ausgerichteten Lehrerbildung. Unterrichtserteilung ist eine Führungsaufgabe. Man muss dazu nicht bloss ausgebildet, man muss dazu berufen sein.

Es bleibt also noch viel zu tun, also tun wir es.
Oder mit Pestalozzi: „ Das Leben bildet, und das bildende Leben ist nicht Sache des Worts, es ist Sache der Tat, es ist Tatsache.“

 

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Lieni Füglistaller
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