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Referat
Medienkonferenz vom 17. Februar 2009

Die Ausbildungsmängel in der Armee XXI – 2. Teil

Im Zuge der Globalisierung fand in den letzten Jahren eine verstärkte Zusammenarbeit mit anderen militärischen Partnern statt. Grundsätzlich ist dies nicht schlecht, doch darf sich die Armee nicht nac

Akademisierung als Folge NATO-Zusammenarbeit
Im Zuge der Globalisierung fand in den letzten Jahren eine verstärkte Zusammenarbeit mit anderen militärischen Partnern statt. Grundsätzlich ist dies nicht schlecht, doch darf sich die Armee nicht nach deren Richtlinien ausrichten, sondern sie hat sich an den Gegebenheiten der Schweiz zu orientieren. Die verstärkte Zusammenarbeit mit den NATO-Ländern führte leider zu einer immer stärkeren Akademisierung der schweizerischen Berufsoffiziere. Die Konsequenz: Die Elite genoss wohl eine akademische Ausbildung, aber der tägliche Einsatz in der schweizerischen Armee wurde vernachlässigt. Eine akademische Ausbildung kann das militärische Training nur ergänzen, aber nie ersetzen! Es muss wieder vermehrt darauf geachtet werden, dass auch Unteroffiziere, die herausragende fachliche und führungstechnische Fähigkeiten im Ausbildungsbereich besitzen, in den Offiziersrang aufsteigen. Gerade solche Fähigkeiten sind heute wieder vermehrt in Industrie und Wirtschaft gefragt.

Durchdienerkonzeption gescheitert
Das ursprüngliche Konzept der Durchdiener, die im Rahmen der Armee XXI die Bereitschaftseinheiten sichern sollten, ist gescheitert! Junge Leute werden während elf Monaten ausgebildet und wenn sie auf dem höchsten Stand der Ausbildung sind, für immer entlassen. Ein Know-how Verlust sondergleichen, den man sich eigentlich nicht leisten kann. Die Möglichkeit, als Durchdiener (welche ihre Dienstpflicht an einem Stück, also innert rund elf aufeinanderfolgenden Monaten absolvieren) die Wehrpflicht zu erfüllen, wurde ursprünglich für Studenten geschaffen. Tatsächlich wird diese Möglichkeit von diesen wenig genutzt. Als Durchdiener melden sich heute leider vor allem Arbeitslose, Ungelernte und viele Sozialfälle. Die jungen Durchdiener werden heute zunehmend für Botschafts-Bewachungen oder für Hilfseinsätze zugunsten von allerlei Festanlässen missbraucht. Überlegungen, mangels Freiwilligen, die Durchdiener als Lückenbüsser für Auslandeinsätze einzusetzen, ist strikte zu abzulehnen.

Schwierige Situation bei Zeitmilitärs
Bei den Zeitmilitärs sind die Einsätze zu wenig vorhersehbar und wenig planbar. Auf die kurzen Verpflichtungen der Zeitmilitärs folgt oft nur eine verzögerte Einsatzverlängerung, oder es wird schon gar nicht mehr verlängert. Damit haben die Zeitmilitärs kaum Chancen, sich nach Alternativen umzusehen und werden oft zu Sozialfällen. Das Ziel eines jeden Einsatzes müsste eine mindestens fünfjährige Anstellung sein (selbstverständlich mit einer bewerteten Probezeit) und im Anschluss daran müsste ein Umstieg zum Berufsoffiziers, Berufsunteroffiziers oder Berufs-Fachoffizier mit einer Fachaufgabe ermöglicht werden.

Outsourcing der Ausbildung beeinträchtigt Einsatzfähigkeit
Aufgrund der stetig reduzierten Ausbildungsziele sowie mangels Fachleuten sind in der jüngsten Zeit Ideen aufgetaucht, gewisse Versorgungsaufgaben der Armee oder Wartungsleistungen auszulagern. Damit erfolgt aber leider auch ein Verlust an technischer Kompetenz, z.B. bezüglich des Unterhalts von Fahrzeugen, Panzern, Übermittlungsgeräten usw. Diese Kompetenz-Auslagerung beeinträchtigt die Einsatztauglichkeit der Armee, indem zum Beispiel aufgrund mangelnder technischer Kompetenz die Vorbildfunktion der Kaderleute leidet.

Es ist sofort aufzuzeigen, was die Truppe im Ernstfall beherrschen muss und die Armee muss wieder vermehrt die technische Bereitschaft selber übernehmen. In diesem Zusammenhang gilt es auch anzumerken, dass die Bestrebungen von politischen Kreisen, welche die Heimabgabe der Armeewaffe und der Munition verbieten wollen, dem Ausbildungsstand der Truppe abträglich sind und den Grundgedanken der Miliz in Frage stellen.

Folgerungen
Das Erkennen von Bedrohungen gestaltet sich äussert schwierig. Dies hat sich zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Georgien-Krieg gezeigt. Wer also heute glaubt, wir können uns einen Aufwuchs über Jahre leisten ist damit auf dem Holzweg.

Der in den letzten 25 Jahren von Seiten der politischen Linken schwer geschädigte Schweizer Nachrichtendienst hält eine Schlüsselfunktion inne. Die Nachrichtendienste müssen aktuellen Herausforderungen stets angepasst werden. Effiziente Zusammenarbeit zwischen den Nachrichtendiensten unter Einbezug von Polizei, Grenzwachkorps und andern Sicherheitsorganen ist unabdingbare Pflicht.

Die Diplomatensprache hat aus dem Militärbereich zu verschwinden. Wer – als Beispiel – von einer „stabilisierten Lage“ in Kosovo faselt, muss sich folgende Frage gefallen lassen: Ist die dortige Lage unter Akzeptierung des dort in exorbitantem Ausmass stattfindenden Drogenhandels als stabil zu akzeptieren? Oder besteht ein hinreichender Wille, dem Rechtsstaat auch im Kosovo zum Durchbruch zu verhelfen? Beschönigungsformeln und bewusstes Ausblenden von Tatsachen trägt nicht zu Sicherheit und stabiler Lage bei.

In einem freien Land mit direkter Demokratie muss die Bevölkerung auch selbst Stand und Ausbildungsgrad der Armee beurteilen können. Eine Armee erzielt, wenn sie sich der Bevölkerung als solche präsentiert, ausgeprägte Dissuasionswirkung. Die Armee muss aber auch bei der Bevölkerung wieder „sichtbar“ werden. Nur so erreichen wir die Bereitschaft und den Stolz, hinter der eigenen Armee zu stehen.

Ziel jeder Tätigkeit der Armee, Ziel jeder Ausbildung der Armee ist allein deren Kriegsgenügen. Diese Botschaft hat das VBS unablässig zu übermitteln. Wer bezüglich Kriegsgenügen versagt, ist im Ernstfall tot, bevor eine bewaffnete Auseinandersetzung richtig begonnen hat.

über den Autor
SVP Nationalrat (SH)
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