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Medienkonferenz vom 19. April 2010

Erneuerbare Energien und Energieeffizienz: Tatsachen und Herausforderungen

Früher oder später wird sich die Schweiz einem gravierenden Defizit bei der Elektrizitätsversorgung stellen müssen. Neue Prognosen zeigen einen starken und konstanten Mangel bereits ab dem Winter…

Von der Feststellung zur unabstreitbaren Notwendigkeit zu Handeln

Früher oder später wird sich die Schweiz einem gravierenden Defizit bei der Elektrizitätsversorgung stellen müssen. Neue Prognosen zeigen einen starken und konstanten Mangel bereits ab dem Winter 2012; weder die Fortschritte bei der Energieeffizienz noch eine massive Unterstützung oder noch bessere Bedingungen für die erneuerbaren Energien können diese Tendenz in naher Zukunft umkehren. Es ist schlicht eine Verkennung der Realität, wenn wir glauben, dass wir unsere Selbstversorgung mit Elektrizität einzig über die bestehenden Mittel und ohne den Bau neuer grosser Anlagen werden decken können. Aus Sicht der SVP ist es somit zentral, die politischen Diskussionen zu beenden und schnellstmöglich konkret zu werden, will man ein peinliches Erwachen in unserem Land vermeiden. Wir wollen, dass ein Maximum an Strom selbst erzeugt werden kann, damit unser Land bezüglich Preis und vor allem Versorgung nicht zu sehr den Zufällen des internationalen Handels und einer verhängnisvollen Unsicherheit für die eigene Wirtschaft ausgeliefert wird – schliesslich betrifft diese Problematik Europa als ganzes. Eine solide Basis an einheimischer Wasser- und Kernkraft ist somit aus Gründen der Energiesicherheit, der Kosten und einer vernünftigen Klimapolitik unumgänglich. Selbstverständlich müssen die neuen erneuerbaren Energien auch eine gewisse unterstützende Rolle spielen, selbst wenn diese in den kommenden Jahrzehnten beschränkt bleiben wird. Es ist allerdings wesentlich, dass diese Energien wirtschaftlich rentabel bleiben und deshalb auch in jenen Bereichen Verwendung finden, welche ihnen am besten entsprechen.

Es stehen Welten zwischen dem Wünschbaren und dem Machbaren!

Der Anteil der neuen erneuerbaren Energien an der Stromversorgung des Landes ist auch heute noch bescheiden (0,065 % Fotovoltaik und Windenergie), trotz aller Unterstützungsinstrumente, welche in den letzten Jahren ins Leben gerufen wurden. Neben den Produktionskosten für diese Art von Elektrizität, welche ein grosses Handicap für die Entwicklung solcher Energieformen bilden (50 bis 90 Rappen pro Kilowattstunde für die Fotovoltaik), treten andere wichtige Nachteile bezüglich des Gebrauchs zu Tage; so bleiben die Produktionskapazitäten trotz technischem Fortschritt und gesteigerter Effizienz im Vergleich mit den grossen Produktionsformen Wasser- und Kernkraft überaus bescheiden. So würde man beispielsweise eine Fläche von 20 Millionen Quadratmetern Solarzellen benötigen – eine Investition von 25 Milliarden Franken -, um ein Kernkraftwerk vom Typ Mühleberg zu ersetzen! Angesichts der Grösse eines kleinen und derart dicht besiedelten Landes wie der Schweiz ist das reine Utopie. Zudem: solange man die aus der Fotovoltaik und den anderen neuen Energiequellen gewonnene Energie nicht konkret „lagern“ kann, bleibt diese Diversifizierung unserer Energieversorgung, angesichts der Sonnenabhängigkeit zu wenig konstant. Dieselben Probleme haben wir in Bezug auf die Windkraft, die stark abhängig ist vom Gleichmass und der Stärke des Windes; nicht zu vergessen die Nachteile in Bezug auf den Landschaftsschutz und die verursachten Lärmimmissionen.

In naher Zukunft schwer überwindbare Handicaps

Diese Probleme und die daraus resultierende Unsicherheit haben bei der Bevölkerung dazu geführt, dass den diversen Projekten etlicher Widerstand erwächst, womit diese – aufgrund komplizierter und langer Verfahren vor den Rekursinstanzen – oft über Monate, wenn nicht Jahre blockiert werden. Man darf sich also zu Recht fragen, was der Zuschlag für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) von 0,45 Rappen pro Kilowattstunde bringt, wenn man feststellen muss, dass angesichts dieser Blockierungen nur gerade 80 der 275 verfügbaren Millionen Franken im Jahr 2009 bewilligt werden konnten. Neben diesen Nachteilen müssen noch die Konsequenzen für die Stabilität des Transport- und Verteilnetzes bedacht werden. Jenen, welche zum Beispiel meinen, einheimische Nuklearenergie am Laufmeter durch eine massive Einfuhr von mit Windkraft produziertem Strom ersetzen zu können, gilt es klar zu entgegnen, dass das völlig unrealistisch ist. Zum einen müssen die europäischen Staaten, welche derartige Energie produzieren, zunächst an die Sicherheit ihrer eigenen Elektrizitätsversorgung sowie an ihre CO2-Bilanz denken und zum anderen ist die Kapazität des Transportnetzes in Europa extrem beschränkt. Man sollte deshalb zuerst dieses sozusagen „redimensionieren“, um die Produktionsspitzen aufzufangen, wenn man einen generellen Zusammenbruch des Netzes vermeiden will. Das würde hohe Investitionen mit sich bringen, derweil eine volle Auslastung sehr selten vorkäme – ein wirtschaftlicher Unsinn sondergleichen. Und es ist noch illusorischer, wenn man sich die kolossalen Summen vergegenwärtigt, welche in den nächsten Jahren investiert werden müssen, um nur den Unterhalt des bestehenden Netzes sicherzustellen.

Ein Fazit aus sich selbst

Es ist also offensichtlich, dass, selbst wenn das Potential der neuen erneuerbaren Energien vorhanden ist und diese in den kommenden Jahrzehnten eine willkommene Unterstützung unserer Versorgungssicherheit liefern werden, sie in keinem Fall eine derart wettbewerbsfähige und berechenbare Energiequelle wie die Wasser- und Kernkraft werden ersetzen können. Diese Tatsache mag vielleicht lästig sein, sie ist aber nicht von der Hand zu weisen und selbst wenn Zukunftsutopien und -visionen sich für den Fortschritt manchmal als nötig erweisen, kommt der Moment, die Augen zu öffnen und sich die Brutalität der Fakten tel quel bewusst zu machen. Und dieser Zeitpunkt ist jetzt da!!

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