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Medienkonferenz vom 25. März 2008

HarmoS – ein fragwürdiges Konzept

Mit dem Projekt HarmoS will die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) die Zentralisierung der Volksschule in die Wege leiten.
HarmoS überträgt dem Staat die Verantwortung für die «Wer

Mit dem Projekt HarmoS will die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) die Zentralisierung der Volksschule in die Wege leiten.

HarmoS überträgt dem Staat die Verantwortung für die «Werktags- Kindererziehung» von Montag bis Freitag jeweilen 07.00 bis 18.00 Uhr.

Verstaatlichung der Erziehung
HarmoS verordnet die obligatorische Schulpflicht für sämtliche Kinder ab dem vierten Altersjahr. Ausnahmen sind nicht vorgesehen. Kinder mit Entwicklungs-Rückstand sollen heilpädagogische Sonderberatung erhalten, den Eltern wird die Erziehungskompetenz für Kinder ab dem vierten Lebensjahr abgesprochen.

HarmoS will eine Schule, deren Klassen nicht mehr von Klassenlehrern geführt werden, sondern von einem Lehrerkollegium im «Teamplay». HarmoS nimmt den Stimmbürgern wesentliche Rechte zur Gestaltung der Volksschule weg.

Gewaltentrennung aufgehoben
HarmoS, ein für die ganze Schweiz vorgesehenes Konzept für die Volksschule, wurde allein von der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) erarbeitet. Die kantonalen Parlamente waren von jeglicher Detailberatung ausgeschlossen. Sie können zum fertigen HarmoS-Projekt einzig entweder Ja oder Nein sagen. Modifizierungen sind ausgeschlossen.

Die Konferenz der Erziehungsdirektoren setzt sich aus Exekutivpolitikern zusammen. Legislative Kompetenz wurde ihr nie eingeräumt. Als Organ ist diese Konferenz weder in der Bundesverfassung noch in den Kantonsverfassungen vorgesehen. Sie hat sich ihre legislative Kompetenz eigenmächtig angemasst.

Funktionäre verdrängen Eltern
Für die an jeder Schule obligatorisch einzurichtenden Tagesstrukturen ist eine Zusatzfinanzierung durch die Eltern vorgesehen, die allerdings nicht kostendeckend ist. Defizite hätte demnach die gesamte Öffentlichkeit zu tragen. Den Eltern werden Beiträge nach Reichtumssteuer-Modell zugemutet, also abgestuft nach Einkommen.

Auf eidgenössischer Ebene sind bereits Anstrengungen im Gang, dass für regelmässige Kleinkind-Betreuung nur Fachkräfte mit Diplom-Abschluss zugelassen werden dürfen. Im Klartext: Grosseltern dürfen in absehbarer Zukunft ohne solches Diplom Enkelkinder nicht mehr regelmässig betreuen. Auf diese Weise erzwingt HarmoS die Auslastung der öffentlichen Tagesstrukturen. Kinderbetreuung ab viertem Altersjahr soll Staatsaufgabe werden.

Pädagogisch fragwürdig
Das Modell HarmoS ist auch aus pädagogischer Sicht fragwürdig: Einerseits verspricht es jedem Kind «individuelles Lerntempo». Wie dies in Zeugnisnoten berücksichtigt werden soll – darüber fehlen bis heute genauere Angaben. Bereits festgelegt wurde indessen, dass Sonderklassen für schwächer begabte und schwierige Kinder und Jugendliche aufgehoben werden sollen. Der Schulunterricht für alle soll künftig generell in Normalklassen erfolgen, denen zusätzliche Heilpädagogen zur persönlichen Betreuung von Schülern mit Schwierigkeiten zugeteilt werden. Ein Modell, das in der Praxis kaum befriedigende Resultate erbringen wird.

Negativ-Wettbewerb
Abenteuerlich erscheint uns auch die Idee, die Schulen künftig auf der Grundlage eines «Sozial-Indexes» zu finanzieren. Schulen, die nachweisen können, dass sie eine überdurchschnittliche Anzahl von Kindern aus «unterprivilegierten Milieus» zu unterrichten haben, sollen markant höhere Staatsbeiträge erhalten als Schulen mit Kindern aus «normalen» Milieus. Im Wettbewerb um Finanzmittel werden sich Schulen darauf ausrichten, in ihrem Haus möglichst viele «Unterprivilegierte» nachweisen zu können. Je negativer sich die eigene Schule präsentieren kann, desto mehr Geldmittel können locker gemacht werden. Das Streben nach Qualität bleibt dagegen unbelohnt.

Schlechte Voraussetzungen für Qualitätsverbesserungen an der Volksschule.

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