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Medienkonferenz vom 25. März 2008

HarmoS: Ideologie verdrängt Pädagogik

Das HarmoS-Projekt der Erziehungsdirektoren-Konferenz ist die entscheidende Etappe im Rahmen einer Strategie, dem Staat die Verantwortung für die Erziehung der Kinder ab viertem Altersjahr zu übertrag

Das HarmoS-Projekt der Erziehungsdirektoren-Konferenz ist die entscheidende Etappe im Rahmen einer Strategie, dem Staat die Verantwortung für die Erziehung der Kinder ab viertem Altersjahr zu übertragen.

Was das für Eltern bedeutet, wurde bereits ausgeführt.

Pädagogische Schwächen
Jetzt ist zu zeigen, dass das HarmoS-Projekt auch schwerwiegende pädagogische Schwächen aufweist. So, wenn schweizweit ab erstem Schultag selbst für Vierjährige Hochdeutsch als Unterrichtssprache vorgeschrieben wird.

Kleine Kinder lernen den Umgang mit Sprache bekanntlich am leichtesten durch Versli, Sprüche, Kinderlieder – fast ausnahmslos in Mundart. Kinder entwickeln mit solchen Reimen nicht bloss Sprachfertigkeit, sie gewinnen auch ersten Zugang zum eigenen Kulturgut. Wer jetzt «Chumm, mer wei go Chrieseli gwünne» ersetzen will durch «Frischauf zum wack’ren Kirschenpflücken», der versperrt beides – Zugang zur Sprachfertigkeit und Zugang zur eigenen Kultur. Was für ein weltfremder Theoretiker, der solches als Bildungsvermittlung anordnet – offenbar aus einem oberflächlichen Multi-Kulti-Bekenntnis heraus. Was in aller Welt soll damit erreicht werden? Das Kind, das sich Sprachfertigkeit aneignet aus Eindrücken, die es versteht, erleidet doch keinen Nachteil, wenn es diese Sprachfertigkeit über die Mundart lernt. Im Gegenteil: Es wird Sprachfertigkeit auch im Hochdeutschen, auch in Fremdsprachen leichter entwickeln, weil es Freude an der Sprache erlebt.

Individuelles Lerntempo und integrativer Unterricht
HarmoS verspricht Eltern und Schülern Selbstbestimmung bezüglich Lerntempo in den ersten acht Schuljahren. Gleichzeitig ist sogenannt «integrativer Unterricht» angesagt, weil es Sonderklassen grundsätzlich nicht mehr geben soll. Schüler mit Lerndefiziten sollen auf Heilpädagogen, die sie individuell im Schulzimmer begleiten, zählen können. Daneben läuft gleichenorts der normale Schulunterricht ab.

Es gibt Kantone, die dieses System bereits ausprobieren. Bei der Befragung von Schülern einer davon betroffenen Unterstufenklasse durch die Sendung «10vor10» konnte man kürzlich verfolgen, wie kein einziges der befragten Schulkinder genau wusste, von wievielen Lehrern es selbst unterrichtet wird. Dafür erfuhr man vom aus ständigem Zimmer- und Lehrerwechsel resultierenden Stress. Ob die Bildungsvermittlung davon tatsächlich profitiert?

Körperlich Behinderte in Normalklassen zu unterrichten, ist zweifellos möglich. Mit Kindern, die vom Schulstoff überfordert sind, wird es bereits viel schwieriger. Verhaltensauffällige, oft schwererziehbare Jugendliche im Mittel- und Oberstufenalter in Normalklassen unterrichten zu wollen, ist schlicht Unsinn. Solches wird ganze Klassen regelrecht lahmlegen.

«Teamplay» statt Klassenlehrer?
Fragwürdig ist auch die Zurückbindung des Klassenlehrers auf nur noch administrative Funktionen, während für den Unterricht «Teamplay» eines Lehrer-Kollegiums angesagt ist – und dies bereits ab erstem Schuljahr. Dem Kind die Persönlichkeit wegzunehmen, an der es sich beim Lernen orientiert, wird die Vermittlung von Bildung gewiss nicht erleichtern. Warum müssen Erfahrungen, die längst gefestigt sind, immer wieder in Frage gestellt werden? Den Schaden tragen die Schüler!

Das entscheidende Ziel von HarmoS ist, den Eltern die Verantwortung für Kinder ab viertem Altersjahr zu entziehen. Wie stur dabei vorgegangen wird, davon kann der hier anwesende Herr Edgar Holdener aus Unteriberg/Kanton Schwyz ein Lied singen. Er masste sich mit seiner Frau zusammen an, selbst über die Schulreife eines seiner Kinder zu entscheiden. Er verweigerte dessen Einschulung bereits mit vier Jahren. Viertausend Franken Busse wurden dem Ehepaar Holdener dafür aufgebrummt – schlicht und einfach ein Skandal! Mit Pädagogik hat solcher Funktionärs-Starrsinn nichts, mit ideologisch motiviertem Feldzug gegen die Elternverantwortung um so mehr zu tun.

Widerstand ist deshalb nötig.

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Ulrich Schlüer
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