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NEIN zu Managed Care

Ich bedanke mich für die Einladung, heute bei Ihnen sprechen zu dürfen. Ich stelle mich kurz vor. Ich bin 55 Jahre alt, seit 31 Jahren verheiratet und Vater von 3 erwachsenen Kindern. Seit 20…

Dr. med. Robert Schönenberger, FMH Gynäkologie und Geburtshilfe, Präsident Ärzteverein der Stadt St. Gallen, St. Gallen (SG)

Ich bedanke mich für die Einladung, heute bei Ihnen sprechen zu dürfen. Ich stelle mich kurz vor. Ich bin 55 Jahre alt, seit 31 Jahren verheiratet und Vater von 3 erwachsenen Kindern. Seit 20 Jahren bin ich in einer Praxis in der Stadt St. Gallen als Frauenarzt tätig. Ich bin Präsident des Ärztevereins der Stadt St. Gallen.

Wir diskutieren heute über die Managed Care-Vorlage. Ich freue mich, dass gewichtige Kantonalparteien der SVP wie diejenige von Baselland, des Kantons Zürich sowie des Kantons St. Gallen die Nein-Parole beschlossen haben.

Was will das Gesetz:
Geht es nach den Vorstellungen der Befürworter, schliessen Krankenkassen mit Hausärzten und Spezialisten Verträge ab. Sie einigen sich auf eine finanzielle Obergösse in Bezug auf die Gesundheitskosten pro Versicherten. Der Hausarzt leitet sämtliche Behandlungspfade für Patienten im Managed Care Modell ein, Spezialisten-Zuweisungen wenn nötig, das richtige Spital wird gesucht, die geeignete Rehabilitationsklinik organisiert, ja sogar das Pflegeheim wird vorreserviert. Rückvergütungen für das Netzwerk sind Folge für diese Zuweisungen. Eigentlich bekommen Sie als Versicherte alles von der Wiege bis zur Bahre gemanagt. Alles staatlich gelenkt, sogar billiger und Sie bezahlen dazu noch weniger Prämie und Selbstbehalt.

In der Folge skizziere ich Ihnen einige Unstimmigkeiten in der Argumentation der Befürworter und erläutere die erheblichen Nachteile der Vorlage. Aufzuzeigen gilt es auch, welche wichtigen Patientenrechte Sie bei Annahme der Vorlage und Übertritt in ein Netzwerk verlieren werden.

Billiger würde es unter Managed Care, war noch vor einem Jahr das Hauptargument der Befürworter. Leider hielt das Zahlenmaterial des CSS Instituts für Empirische Gesundheitsökonomie einer genauen Überprüfung nicht stand. Die Risikoselektion von Managed Care Versicherungsmodelle erklärte einen grossen Teil der errechneten Bruttoeinsparungen. Was bedeutet das? Vor allem junge Gesunde mit geringen Gesundheitskosten wählten Managed Care Modelle, weil sie damit sparen konnten. Die risikobereinigten Kosteneinsparungen waren deswegen statistisch nicht mehr nachweisbar.

Billiger nicht, aber besser werde die medizinische Versorgung, so war im Anschluss daran der Tenor der Pro-Seite. Besser? Laut OECD hat die Schweiz eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, macht da noch besser wirklich Sinn? Schrauben wir in der Tat in unserem Gesundheitswesen, geplagt von steigenden Kosten, am letzten Promille in Bezug auf die Qualität? Eine Arbeit, die eine Verbesserung der medizinischen Dienstleistungen unter Managed Care bestätigt, haben wir publiziert bis heute nicht gefunden.

Nicht billiger, nicht besser aber effektiver, so dann die Pro-Seite. Effektiver, dies bedeutet billiger bei gleichen Leistungen. Aber, wenn billiger und besser nicht schlüssig bewiesen werden, wie dann effektiver?

Doppelbestimmungen bei chronischen Patienten würden vermieden, weil alle Netzwerkärzte und Spitäler zusammenarbeiten. Frau Nationalrätin Humbel und Herr Nationalrat Cassis haben dieses Argument immer wieder erwähnt. Das ist leider nichts als eine Wunschvorstellung. In der ambulanten Medizin sind wir noch weit weg, gemeinsam auf einer kompatiblen EDV-Ebene zu arbeiten. Die Gesundheitskarte hätte dieses Problem schnell und kostengünstig gelöst, auch in Zusammenarbeit mit Spitälern.

Netzwerke mit Budgetmitverantwortung, wie in der Vorlage gefordert, bestehen aus Grundversorgern und Spezialisten. Kassen schliessen mit diesen Verträge ab. Ist Ihr Hausarzt, Ihr Augenarzt, Ihr Kinderarzt oder Ihr Physiotherapeut nicht im Netzwerk integriert, müssen sie sich andere Ärzte suchen.

Sie verlieren also die freie Arztwahl, ohne Wenn und Aber. Das Ganze, in einem Nebensatz erwähnt, für 3 Jahre, geht es nach den Vorstellungen der Kassen, erst dann können Sie kündigen, ob die Arzt-Patienten-Beziehung stimmt oder nicht.

In einem Managed Care Modell herrscht von Seiten der Ärzte eine Budgetmitverantwortung. Was bedeutet das für die Ärzte? Ist das Netzwerk im Budget unter Druck, müssen Leistungen eingespart werden, sonst trägt der Arzt das ökonomische Risiko mit. Im Grenzfall entscheidet man sich eben doch für eine gewisse Leistungseinsparung, sprich zu einer Rationierung von medizinischen Leistungen, um als Arzt nicht selber Defizite tragen zu müssen.

Bisher war ich primär bei der Ausübung meines Berufes meinem Gewissen verantwortlich unter den Vorgaben, haushälterisch mit den finanziellen Ressourcen umzugehen. In Grenzbereichen habe ich mich bis heute immer für die grösstmögliche Patientensicherheit entschieden. Unter Managed Care laufen wir Gefahr, dass sich das dramatisch ändert. Der Arzt mutiert zum Kostensanierer für die Krankenkassen, wir werden missbraucht für eine Aufgabe, die nicht primär zu unseren Pflichten gehört.

Managed Care gibt es in der Schweiz seit 15 Jahren. Bis zum heutigen Tag sind laut den neuesten Zahlen von santésuisse in Netzwerken mit Budgetmitverantwortung, also dem neuen Favoritenmodell der Befürworter, lediglich 6% der Schweizer versichert, bei den über 50 jährigen sind es gerade noch 4%.

Dieses Modell will die Vorlage einführen und mit Zwangsmassnahmen umsetzen, Strafmassnahmen folgen, wenn Managed Care mit Budgetmitverantwortung nicht landesweit innerhalb von 3 Jahren umgesetzt wird. Bis im Jahr 2015 sollen 60% der Schweizerischen Bevölkerung in Netzwerken mit Budgetmitverantwortung integriert sein. Wird diese Zielvorgabe nicht erreicht, droht der Bundesrat mit noch schärferen Massnahmen. Die freie Arztwahl dürfte dann noch teurer werden.

Ich frage Sie also, kann es wirklich sein, dass der Staat künstlich Versicherungsformen mit freier Arztwahl und Netzwerke ohne Budgetmitverantwortung sowie Telemedizin verteuert und nur eine, Netzwerke mit Budgetmitverantwortung, verbilligt ohne nachgewiesene Verbesserung für uns Patienten und unser Gesundheitswesens? Können Sie ja sagen zum grössten Feldversuch der Eidgenossenschaft mit ungewissem Ausgang? Meiner Meinung nach soll der Staat den Wettbewerb fördern und nicht Versicherungsformen mit staatlichen Krücken ausstatten, die sich in den letzten 15 Jahren nicht durchgesetzt haben.

Nicht der budgetäre Druck, sondern Eigeninitiative der innovativen und kostenbewussten Ärzte, welche sich über E-Health vernetzen, Disease Management einführen und sich, das ist das Wichtigste, sich immer wieder fortbilden, werden die Behandlungsqualität kontinuierlich verbessern und in diesen Punkten sind wir auf gutem Weg.

Ich arbeite als operierender Gynäkologe und Geburtshelfer in einer Praxis in der Stadt St. Gallen. Ich arbeite mit vielen Hausärzten ohne Vorgaben des Staates oder der Krankenkasse bestens zusammen. Kein Manager des Netzwerks erhält eine Entlöhnung, kein- administrativer Überbau geht zu Lasten der Prämien, alles zum 0-Tarif, durch gewachsene Zusammenarbeit und die Frauen können jederzeit zu einem anderen Frauenarzt gehen, wenn meine Leistung für sie nicht mehr stimmt.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ein guter Hausarzt und Grundversorger ist wichtig. Die Zeiten haben sich aber etwas geändert. Die Agglomerationen sind zusammengewachsen und die Mobilität ist fast uneingeschränkt. Wir holen uns medizinische Leistungen punktuell, sie muss passend zu unserer beruflichen Belastung sein. Wir wollen möglichst schnell wieder arbeiten wenn wir krank sind, joggen, Tennis spielen oder den lästigen Husten loswerden. Ärzte entscheiden nicht jede Stunde über Leben und Tod, sondern häufig sind es nur Befindlichkeitsstörungen, welche wir behandeln, schnell und speditiv muss das sein, ohne grossen Aufwand. Das wünscht sich auch der Patient, in Arbeitsplatznähe, am Wohnort und in den Ferien. Der Hausarzt muss sich diesen Veränderungen auch stellen und sich den Patientenzulauf nicht staatlich durch Managed Care garantieren lassen. Alle Ärzte sitzen im gleichen Boot, die Patientenzufriedenheit soll entscheiden, sie ist der beste Gradmesser guter ärztlicher Arbeit, nicht der Staat oder die Versicherung hat darüber zu entscheiden, wer wen behandelt. Jeder wechselt subito den Metzger, wenn die Qualität des Fleisches nicht mehr stimmt, nur beim Arzt sollen sie dann 3 Jahre ausharren, wenn das Arzt-Patienten-Verhältnis gestört ist.

Warum sollen Sie also als Patient gegen das Gesetz stimmen:

  • weil Sie die freie Arztwahl verlieren;
  • weil Sie sonst Gefahr laufen die Wahl ihres Spitals, Physiotherapie, Alters- und Pflegeheim zu verlieren;
  • weil Sie Gefahr laufen, Leistungen nicht mehr zu erhalten, weil das Budget überschritten ist.

Gerade als SVP Delegierte sollten Sie gegen das Gesetz sein:

  • weil Sie nein sagen zu einem System, dass sich seit 15 Jahren nicht durchgesetzt hat und nun durch staatliche Krücken forciert werden soll;
  • weil Sie JA sagen würden zum grössten Feldversuch in einem gut funktionierenden Gesundheitssystem mit sehr ungewissem Ausgang;
  • weil Sie nicht Gefahr laufen wollen, bei der Wahl Ihrer Therapie Opfer ökonomischer Überlegungen zu werden;
  • weil es nicht Sache des Staates ist, vorzuschreiben, welche Versicherungsformen künstlich verbilligt werden soll;
  • und zu guter Letzt, weil die freie Arztwahl für Sie wichtig ist.

Sie, die Delegierten der SVP Schweiz sind noch die einzige bürgerliche Kraft, welche sich klar gegen eine Regulierung des Gesundheitswesens aussprechen kann. Nutzen Sie die Chance als grösste Partei der Schweiz Flagge zu zeigen, so wie Sie das immer tun.

 

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