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Referat
Medienkonferenz vom 11. August 2009

Schweizer Landwirtschaft – Schweizer Qualität

Die Bedeutung und die Leistung der Schweizer Landwirtschaft, aus multifunktionaler Sicht, werden von praktisch allen Bevölkerungskreisen und Interessengruppen anerkannt und gewürdigt. Man will die…

Die Bedeutung und die Leistung der Schweizer Landwirtschaft, aus multifunktionaler Sicht, werden von praktisch allen Bevölkerungskreisen und Interessengruppen anerkannt und gewürdigt. Man will die echte Schweizer Qualität unter keinen Umständen missen. Stellt man aber die Zukunftsperspektiven der Bauernfamilien, die Ernährungssouveränität für die Schweiz, sowie den landwirtschaftlichen Verfassungsauftrag zur Diskussion, dann liegen die Vorbehalte, Interessen und Meinungsverschiedenheiten derart weit auseinander, dass kaum ein gemeinsamer Nenner erreicht werden kann. Dabei sind die landesinterne Nahrungsmittelproduktion und -versorgung, neben der Sicherheit, zwei zentrale Eckpfeiler für den Fortbestand eines Landes.

Weltweit haben zirka 1 Milliarde Menschen nicht genug zu essen oder gar Hunger. Trotz dieser ausserordentlich problematischen Situation in der Nahrungsmittelversorgung dreht sich in der Schweiz in dieser Beziehung alles um eine weitere Reduktion des Selbstversorgungsgrades. Dieser ist bereits heute mit gut 50% der Tiefste in Europa. Aufgrund dieser Tatsache ist diese Verhaltensweise völlig unverständlich. Zudem können die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten vom weltweit günstigsten Nahrungsmittelkorb, gemessen am Einkommen, auswählen. Herr und Frau Schweizer geben heute noch zwischen 7 und 8% für Nahrungsmittel aus. In Deutschland sind es 13%. Diese statistischen Erhebungen dokumentieren eindrücklich, dass für noch tiefere Nahrungsmittelpreise absolut kein Handlungsbedarf besteht.

Vollkostenrechnung zur Ermittlung der Produzentenpreise

Was in den anderen Wirtschaftsbereichen zur Normalität gehört, nämlich der Einbezug sämtlicher Faktoren zur Ermittlung der Produzentenpreise, scheint für die Landwirtschaft keine gangbare Grösse zu sein. Stattdessen wird den Bauern vorgeworfen, dass sie gegenüber den Berufskollegen in der EU immer noch deutlich zu teuer seien. Zur Beurteilung der bestehenden Differenz wird nur der Produzentenpreis in der EU herangezogen. Dass unsere Tier-, Gewässer-, Natur- und Umweltschutzvorschriften bedeutend höhere Anforderungen an die Produktion stellen wird grosszügig auf die Seite geschoben. Dass die Arbeitskosten in der Schweiz annähernd 100% höher sind, wird bewusst verschwiegen. Dass auch die Lebenskosten für die Bauern, analog der übrigen Bevölkerung, wesentlich stärker gewichtet werden müssten, wird selbstverständlich nicht berücksichtigt. Trotzdem, um es noch einmal herauszustreichen, kann in der Schweiz vom günstigsten Nahrungsmittelangebot profitiert werden. Wir fordern deshalb, dass ab sofort, zur Ermittlung der Produzentenpreise, eine Vollkostenrechnung als Grundlage dient.

Volkswirtschaftlich unannehmbare agrar- und handelspolitische Ziele

Eine weitere Senkung der Produzentenpreise, verbunden mit noch mehr Billigimporten aus dem Ausland, hat katastrophale Auswirkungen nicht nur für die Bauern in der Schweiz, sondern auch für die vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereiche. Wenn alles billiger wird, können die anfallenden Kosten noch weniger abgedeckt werden. Das Resultat daraus wird sein, man lebt von der Substanz oder der Betrieb wird aufgegeben. Zudem ist festzuhalten, dass bei prozentual gleichbleibender Marge, aber günstigeren Verkaufspreisen dem Handel real weniger bleibt. Diese Tatsache wird dazu führen, dass viele Produktionsbetriebe ins Ausland verlegt oder überhaupt stillgelegt werden. Das ist auch das gute Recht einer gewinnorientierten Unternehmung. Dadurch werden tausende Menschen arbeitslos, die Sozial- und Gesundheitsversicherungen noch stärker belastet, die Schweizer Volkswirtschaft und der Wirtschaftsstandort schwächer und abhängiger.

Aus diesen Gründen ist alles zu unternehmen, dass ein solches Horrorszenario verhindert werden kann. Wir tun gut daran, unsere ausgezeichnete Ausgangslage nicht durch unüberlegte Handlungen leichtfertig preiszugeben und zu verspielen. Setzen wir in Zukunft noch vermehrt auf eine hochwertige Nahrungsmittel produzierende, einheimische Landwirtschaft. So bleibt die hervorragende Schweizer Qualität langfristig erhalten. Zum Wohl der Bevölkerung und einer prosperierenden Volkswirtschaft.

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Ernst Schibli
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