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Standortbestimmung: Wo steht die Schweizerische Energiepolitik?

Rund einen Viertel unseres Energiebedarfes benötigen wir in Form von elektrischem Strom. Strom ist die Schlüsselenergie, weil ohne Elektrizität gar nichts mehr funktionieren würde in unserer…

Rund einen Viertel unseres Energiebedarfes benötigen wir in Form von elektrischem Strom. Strom ist die Schlüsselenergie, weil ohne Elektrizität gar nichts mehr funktionieren würde in unserer Gesellschaft. Denken wir an Spitäler, Flughäfen, öffentlicher Verkehr, Telekommunikation, etc. Fällt der Strom aus, funktioniert nichts mehr.

Unsere momentane Produktion setzt sich aus 40% Kernkraftwerk-, 55% Wasserkraft und knapp 5% „anderen erneuerbaren“ Produktionsarten zusammen. Davon machten im Jahr 2007 der Bereich Photovoltaik und Wind nur gerade etwa 1/30 aus. Der Rest der Erneuerbaren Energie stammt aus Kehrichtverbrennungen, Industrie-Wärmekraftkoppelungen (WKK) und Holz-Heiz-Kraftwerken.

Der Stromverbrauch in unserem Land steigt jährlich regelmässig, und dies trotz Effizienzverbesserungen und Optimierungen. Diese Steigerung beträgt im Durchschnitt der letzten Jahre 1,7% pro Jahr. Was sind denn nun die Gründe für solche überproportionalen Steigerungen?

Die ständige Wohnbevölkerung ist allein im Jahr 2008 um über 106‘000 Personen oder 1,5% gestiegen – alles Stromverbraucher. Der Raumbedarf pro Einwohner, neue und häufigere Stromanwendungen tragen unter anderem zum erhöhten Stromverbrauch bei. Für unsere Wirtschaft ist eine ausreichende, sichere und regelmässige Stromversorgung existentiell wichtig. Von 2000 bis 2007 ist der Verbrauch im Dienstleistungsbereich um über 10%, im Industriebereich um 5% gestiegen. Die SBB rechnen in den nächsten 20 Jahren mit einer Verbrauchszunahme von rund 15%! Es ist ausserdem zu erwarten, dass auch für die Personenautos der Antrieb in absehbarer Zeit teilweise elektrisch erfolgen wird. Dies ist eine Energie-Effizienzmassnahme, da Elektroantriebe mit weniger Verlust arbeiten. Also eine sinnvolle Entwicklung. Wenn zum Beispiel in Zukunft die Hälfte der Personenwagen elektrisch betrieben würden, würde dies der Produktion des KKW Gösgen entsprechen.

Ähnliche Stromverbrauchssteigerungen sind weltweit feststellbar. Jedes europäische Land meldet jährlich höhere Verbrauchszahlen. Unsere Nachbarländer versuchen diese Probleme für sich auf recht unterschiedliche Art zu lösen: Frankreich setzt voll auf Kernenergie, hat aber verschiedene Werke, die umfassend erneuert oder ersetzt werden müssen. Frankreich läuft zurzeit elektrisch „am Anschlag“ und wird die privilegierten Verträge mit der Schweiz nicht mehr erneuern. Die Kilowattstunde kostet in Frankreich rund 18 Rappen.

Deutschland hat die Kernenergie vor Jahren politisch begründet aufs Eis gelegt und hat in den vergangenen Jahren sehr intensiv auf Wind und Solarenergie gesetzt. Es werden Unsummen in die Förderung dieser Produktionsarten gesetzt, mit dem Resultat, dass der Strompreis in schier unerträgliche Höhen gestiegen ist. Deutschland wird die Zukunft der Kernenergie, nicht zuletzt auch aus Kostengründen, nochmals diskutieren. Der Strom kostet zurzeit in Deutschland 32 Rappen pro kWh!

Auch Italien hat eingesehen, dass aus CO2-Gründen und aus Gründen der Abhängigkeit auf die Kernenergietechnik nicht länger verzichtet werden kann. Italien will neue KKW bauen. In Italien kostet der Strom momentan 34 Rappen pro kWh!

In der Schweiz kostet der Strom etwa 16 Rappen pro kWh. Bekanntlich kommen drei bestehende Kernkraftwerke an das Ende ihrer Produktionsphase. Dabei fallen weg: Beznau 1+2 mit etwa 9,1% unseres Verbrauchs, Mühleberg ca. 4,7%. Insgesamt stammen bekanntlich rund 40% der Elektrizität aus landeseigenen Kernkraftwerken. Ebenfalls werden in den kommenden Jahren die privilegierten Verträge unserer Strombranche mit Frankreich auslaufen. Diese haben bisher pro Jahr (vor allem im Winter) mit rund 7% unseres Energieverbrauchs zur Versorgungssicherheit der Schweiz beigetragen.

Ab 2020 fallen also fast 1/4 unserer Strommengen weg. Bis 2030 erhöht sich das Versorgungsdefizit auf 1/3. Dies gilt es zu ersetzen, da unsere Wirtschaft zwingend auf eine sichere und dauernde Stromversorgung angewiesen ist. Trotz intensiven Anstrengungen im Bereich Optimierung und Einsparungen können wir kaum den jährlichen Mehrverbrauch einsparen. Die sinkende Stromproduktion und der steigende Verbrauch führen in absehbarer Zeit zu einer Stromlücke. Wenn Linke und Grüne diesen Zustand als „Denklücke“ bezeichnen ist dies nicht nur leichtsinnig, sondern eher schon fahrlässig. Bereits heute ist in den Wintermonaten unser Land massiv auf Importe angewiesen. Nach neuesten Studien und Planungen wird die Schweiz bereits ab dem Winterhalbjahr 2012, also in knapp 3 Jahren ein gravierendes Stromversorgungsproblem haben.

Und wo stehen wir bei der Schliessung dieser sich abzeichnenden Versorgungslücke? Über die Frage, mit welchen Produktionsarten die künftig fehlenden Strommengen produziert werden sollen, besteht ein Glaubenskrieg bei Politikern zwischen Links/Grün und Rechts. Um die Stromversorgung in unserem Land sicherzustellen brauchen wir dringend genügend inländische Produktionskapazitäten. Dafür setzen wir uns von der SVP ein. Dies vor allem auch aus Kostengründen. Dabei stehen nebst der Frage der Wasser- und Kernenergienutzung die Neuen Erneuerbaren Energien Wind und Sonnenenergie in erster Linie im Fokus. Über deren Leistungsfähigkeit bestehen erhebliche Zweifel. Unser Land hat weder aus solar- noch aus windtechnischer Sicht genügend gute Voraussetzungen um massgebliche Mengen aus diesen Technologien zu erzielen.

Die vermehrte Nutzung der einheimischen Wasserkraft als dauernd verfügbare Bandenergie wird durch grüne Kreise in der Regel ablehnend beurteilt. Auch Windenergieanlagen haben durch ihre Dominanz an exponierten Standorten in unserer Landschaft wenig Akzeptanz. Ebenfalls nicht nur auf Sympathie stossen Anlagen zur Sonnenenergienutzung, Dies vor allem aus ästhetischen Gründen. Zwar steht die Sonne an manchen Tagen mit fast unbegrenzter Energie zur Verfügung. Dabei ist aber gezwungenermassen zu berücksichtigen, dass die „Lieferfähigkeit“ der Sonne in der Regel nicht dann am besten ist, wenn die grösste Menge an Strom benötigt wird, sondern halt nur tagsüber und an hellen Tagen. Für solche Unregelmässigkeiten müsste die Leistung der Pumpspeicherwerke erheblich gesteigert werden. Aus- oder Neubauten solcher Werke sind also zwingend erforderlich, wenn die Menge der erneuerbar produzierten Elektrizität entscheidend gesteigert werden sollen. Solche Projekte werden in der Regel von Grünen, Umweltkreisen und von linker Seite stark bekämpft. Auch hier politisieren die Linken und Grünen unehrlich.

Welche Mengen von welcher Produktionsart wären für die Kompensation der Abgänge wie vorher geschildert nötig, und wo bestehen dabei welche Schwierigkeiten? Rechnen wir das am Beispiel vom KKW Mühleberg:

Windanlagen mittlerer Grösse (Masthöhe 80-100 Meter, Rotordurchmesser ca. 50 Meter) haben in unserem Land eine Maximalleistung von etwa 1 MW. Eine solche Windturbine produziert im Jahr rund 1800 MWh. Oder, als bildhafter Vergleich: Um die Lücke von Mühleberg zu decken, bräuchte es 1650 solcher Windanlagen!

Auch die Solaranlagen sind naturgemäss nicht regelmässig einsetzbar. Gemäss anerkannter Meinung leisten Photovoltaikanlagen pro m2 und Jahr etwa 125 kWh. Somit würde für den Ersatz von Mühleberg eine Photovoltaik-Fläche von etwa 25 km2 oder 1 Millionen Dachanlagen mit je 25 m2 erfordern!

Die beiden Vergleiche mit Windenergie und der Fotovoltaik sind nur limitiert zulässig. Die Vergleiche berücksichtigen nämlich nicht, dass die Kernenergie und Wassernutzung rund um die Uhr zuverlässig Energie (=Bandenergie) produziert. Demgegenüber ist die Stromproduktion aus Wind und Sonne stark von der Natur abhängig. Dies erfordert zusätzliche Reserven in Form von Spitzenanlagen, die jederzeit und sofort auf Abruf verfügbar sind.

Daraus ist erkennbar, dass zum Zeitpunkt des Abganges der Kernanlagen die grossen fehlenden Mengen im Sinne der stetigen Versorgungssicherheit realistischer Weise nur mit neuen Grossanlagen garantiert werden können. Zusätzliche Grossanlagen für Wassernutzung sind praktisch keine mehr vorhanden. Den Ausweg über die Gaskombikraftwerke sollten wir aus CO2-Gründen möglichst vermeiden. Die Nachfrage für Elektrizität wird sicher auch in Zukunft ungebrochen sein, weil wir auf die Annehmlichkeiten einer ausreichenden Stromversorgung nicht verzichten wollen. (Zur Erinnerung: Der jährliche Mehrverbrauch beträgt rund 1 Million MWh, dies entspricht etwa 550 Windturbinen!)

Der Bundesrat hat mit seiner 4-Säulen-Strategie die Ziele bekanntgegeben:

– Die Energie-Effizienz soll verbessert werden

– Erneuerbare Energien sind zu vermehren

– der Ersatz und Zubau von Grosskraftwerken soll angegangen werden

– mit Energie-Aussenpolitik sollen Allianzen gefunden werden.

Es ist daher absolut unverständlich wie das Energiedepartement von Bundesrat Leuenberger diese Ziele angeht:

– Kein Engagement für die dringende Realisierung von landesinternen Grossanlagen. Es fehlt das klare Bekenntnis zu der Erneuerung der Grossanlagen.

– Unverständliche gesetzgeberische Vorlagen mit Einbusse von Wasserkraftnutzungen, d.h. Vernachlässigen der grössten erneuerbaren Kapazität.

– Übertriebene Fokussierung auf Umweltaspekte (mehr Schutz als Nutzung).

– Übertriebene Verteuerung der Stromkosten für Unterstützung der mengenmässig ungenügenden Neuen Erneuerbaren Energien.

Diese verfehlte Politik wird von linker und grüner Seite mit starker Beihilfe der CVP unterstützt. Nehmen wir das Heft in die Hand und forcieren wir die leistungsfähigen und umweltentlastenden Grosswerke, bekämpfen wir die grün/rote Verhinderungspolitik, damit wir auch in Zukunft einen umweltfreundlichen, idealen Strom-Mix mit erträglichen Preisen haben.

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