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Systemwechsel im Milchmarkt ist ein Gebot der Stunde

Die aktuelle Lage auf dem Milchmarkt zeigt, dass dieser unbedingt zusätzlicher Rahmenbedingungen bedarf. In der aktuellen Situation kann kaum ein Schweizer Milchwirtschaftsbetrieb seine Kosten…

von Albert Rösti, Direktor Schweizer Milchproduzenten SMP

Die aktuelle Lage auf dem Milchmarkt zeigt, dass dieser unbedingt zusätzlicher Rahmenbedingungen bedarf. In der aktuellen Situation kann kaum ein Schweizer Milchwirtschaftsbetrieb seine Kosten decken. Diese Situation stellt langfristig die Produktion in der Schweiz in Frage. Die Folgen sind bekannt: Nicht nur die Ernährungssicherung, sondern auch die Pflege der Kulturlandschaft und der Beitrag zur dezentralen Besiedelung nehmen ab. Der Verfassungsartikel 104 verlangt Massnahmen, damit die Erbringung dieser Leistungen auch erfolgen kann. Er ist Grund genug, politische Rahmenbedingungen für den Milchmarkt zu fordern, welche die Produktion und Verarbeitung in der Schweiz auch langfristig sicherstellen. Ich will meine Ausführungen in drei Teile gliedern: 1. Ausgangslage, 2. Notwendige Massnahmen und 3. Antrag an den Bundesrat.

Ausgangslage
Mit der Aufhebung der staatlichen Milchkontingentierung und der Gewährung von Mehrmengen im Rahmen des Übergangs wurden den Milchproduzenten Anreize geboten, trotz international sinkenden Preisen die Produktion auszudehnen. Die Frage stellt sich, weshalb dehnen die Milchproduzenten auch bei sinkenden Preisen ihre Produktion noch aus? – Eigentlich ein unlogisches Verhalten. Dieses Verhalten ist aber ökonomisch begründbar. Als einzelner von 27‘000 Milchproduzenten kann ein Produzent den Preis nicht beeinflussen. Er versucht deshalb, seinen Erlös zu optimieren, indem er – beim für ihn gegebenen Preis – die Menge ausdehnt. Da dies jeder Einzelne gleich tut, kommt viel mehr Milch auf den Markt, was schliesslich zu einer Preisspirale nach unten, d.h. zu deutlichen Preissenkungen führt. Dank technischem Fortschritt werden viele Betriebe auch bei diesem noch tieferen Preis weiter produzieren, weil für sie wiederum der Preis als Konstante angenommen wird. Schon vor Jahrzehnten wurde dieser Prozess auf den Agrarmärkten beobachtet und vom Ökonomen Cochrane als landwirtschaftliche Tretmühle bezeichnet. In diesem Bereich versagt schlicht und einfach der Markt! Viele kleine Anbieter stehen wenigen Nachfragern – in der Schweiz sind es vier grosse Verarbeiter, die 80 Prozent der Milch verarbeiten und zwei Grossverteiler, die 80 Prozent vermarkten – gegenüber. Somit ist leicht erklärbar, dass mit Aufhebung der Kontingentierung innerhalb von nur wenigen Monaten 7 Prozent mehr Milch produziert wurde, obschon die Nachfrageentwicklung lediglich ein Produktionswachstum von etwa 2 Prozent erlaubt hätte.

Notwendige Massnahmen
Die Schweizer Milchproduzenten und gerade auch die SMP als Dachverband wollen nicht zurück zur Kontingentierung. Es macht durchaus Sinn, dank offenen Märkten Potentiale im Ausland für eine Mehrproduktion im Inland zu nutzen. Nur muss sichergestellt werden, dass diese Mehrproduktion nicht zu einem Preisdruck im Inland mit einem um etwa 20 Rappen höheren Preis für Milch und Milchprodukte führt. Schliesslich arbeiten unsere Milchproduzenten in einem im Vergleich zur EU wesentlich teureren Kostenumfeld und sind auf diesen etwas höheren Preis angewiesen. Diesbezüglich ist als Klammerbemerkung zu erwähnen, dass nirgends so wenig gearbeitet werden muss, um Milch und Milchprodukte zu kaufen, wie in der Schweiz. Gemessen an der Kaufkraft sind unsere Nahrungsmittel sehr günstig. Die SMP unterstützt als Verband das dreistufige Marktmodell der Branchenorganisation Milch, wonach jene Menge, die nicht zu einer guten Wertschöpfung vermarktet werden kann, vom Markt abgekoppelt und über eine Börse zentral vermarktet werden muss. Nur bedarf es für diese klare Trennung einer gleichmässigen Verteilung der sogenannt guten A-Milch-Menge und der Börsenmenge. Die Branchenorganisation Milch hat mittlerweile beschlossen, dass bei einer allfälligen Kürzung der A-Menge diejenige Menge, die über die Börse vermarktet werden muss, deutlich überproportional von den bisher gewährten Mehrmengen stammen muss. Es darf nicht sein, dass Milchproduzenten, die keine Mehrmenge produziert haben und produzieren, auch für die Sanierung beigezogen werden. Es ist für uns sehr wichtig, dass diesbezüglich das Verursacherprinzip gilt. Wir erwarten deshalb, dass bei einer notwendigen Mengenkürzung, das heisst Milch, die über die Börse laufen muss, 80 Prozent von den Mehrmengen genommen wird. Dazu braucht es eine klare Referenz pro Organisation. Wir erwarten entsprechend, dass an der nächsten Sitzung der Branchenorganisation Milch diese Referenz auf 80 Prozent festgelegt wird.

Antrag an den Bundesrat
Damit das dreistufige Marktsystem und die Gewährleistung von Transparenz auch effektiv umgesetzt werden können, ist es unabdingbar, dass auch allfällige Trittbrettfahrer, die dieses System umgehen wollen, gezwungen werden können, sich diesen Spielregeln zu fügen. Dies kann nur über die Deklaration einer Allgemeinverbindlichkeit durch den Bundesrat erreicht werden. Entsprechend der Motion Aebi erwarten wir vom Bundesrat, dass die Beschlüsse der Branchenorganisation Milch inklusive des Anliegens der Milchproduzenten (dass bei Kürzungen vor allem die Mehrmengen betroffen sind bzw. über die Börse laufen müssen) für allgemeinverbindlich erklärt werden. Wir fordern somit vom Bund lediglich den Einbezug von Trittbrettfahrern für ein ansonsten privatrechtliches System, dessen Umsetzung von einer Mehrheit der Branche befürwortet und unterstützt wird.

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