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Werte und Identität der Schweiz

Bisher schaffte es die Schweiz, die Einflüsse von aussen durch eine gelungene Integration der Zuzügler zu verarbeiten. Aber das System stösst langsam an seine Grenzen. Wir dürfen die Werte, die unser Land geformt haben, in keinem Fall aufgeben.

Sehr geehrte Mitstreiter und Mitstreiterinnen, die Schweiz ist mehr als jede andere Nation der Welt eine Willensnation.

Es sind weder geographisch logische Grenzen noch eine gemeinsame Sprache oder eine völkische Stammesverbundenheit, die uns zusammen halten.

Es ist lediglich der Wille, im Rahmen einer gewissen Verfassung, einer gewissen Auffassung des Zusammenlebens, unser Schicksal selber zu bestimmen.

Doch dieser Wille ist nicht aus dem Leeren entstanden, er fusst auf einer Geschichte, auf Kultur und Brauchtum, die hinwiederum gewissen WERTEN verpflichtet sind.

Unser Nährboden ist die griechisch-römische Antike in Verbund mit den revolutionären Ideen des Christentums.

Aus dieser einzigartigen Begegnung entsprang ein Funke, der die vorbehaltlose, transzendente Nächstenliebe ins Herz der Menschen verpflanzte.

Von da an bewegte sich unsere Zivilisation in eine neue Richtung, die nach vielen Irrungen und Wirrungen die Würde des einzelnen Menschen als unantastbar definierte und verfassungsrechtlich verankerte.

Die in den Evangelien vorgegebene Trennung von politisch-materieller Sphäre und geistig-religiöser Sphäre wurde, nach einem ersten Anlauf zur Zeit des Humanismus, spätestens in der Aufklärung vollzogen. Dies ist in vielen Ländern der Erde heute noch nicht der Fall.

Als absolutes Novum entstand damals das Konzept des Staatsbürgers zur Überwindung der Clan-Gesellschaften. Fortan bildeten alle Individuen zusammen den Staat, wessen Herkunft, Religion, Rasse, Ethnie oder Farbe sie auch waren. Alle hatten die gleichen Rechte und konnten auf gleicher Augenhöhe miteinander sprechen. Dieses neue Rollenverständnis der Menschen im Staatsgefüge machte der dauernden Machtbuhlerei gewisser Stämme, ethnischer oder religiöser Gruppen ein Ende.

Zudem wurde die Religion allmählich zur Privatsache erklärt.

Die Schweiz ging in der Übertragung von Verantwortung an den einzelnen Staatsbürger weiter als alle anderen Nationen der Weltgeschichte und führte die direkte Demokratie ein. Ohne Wenn und Aber. Da der Bürger nunmehr zum Souverän gekürt worden war, standen seine Rechte, stand sein Leben nicht mehr zur Verfügung. Als Sockel eines Systems, das jeden Einzelnen in seiner Würde schützt, war er mit dem Schutz der eigenen Würde, des eigenen Lebens ebenso beauftragt wie mit jenem der anderen.

Der althergebrachten christlichen Doktrin entsprungen, entfaltete sich ein Verhalten der Menschen zueinander, in dem nicht mehr die „Aug um Aug und Zahn um Zahn-Doktrin“ vorherrschte, sondern gegenseitiges Verständnis und Vergeben.

Dieses System funktionierte bis heute weitgehend einwandfrei, weil der Wille der Menschen um den Nationalkonsens und dessen Werte gross war und von der überwältigenden Mehrheit mitgetragen wurde.

Bisher schaffte es die Schweiz, die Einflüsse von aussen durch eine gelungene Integration der Zuzügler zu verarbeiten. Nicht zuletzt aufgrund unserer föderalen Strukturen, die die Einheit in der Vielfalt gewährleisten, sind die Ausländer, die unter uns leben, obwohl sie 25% der Bevölkerung darstellen, besser integriert als in gewissen EU-Ländern, wo sie weniger als zehn Prozent ausmachen.

Aber das System stösst langsam an seine Grenzen.

Die Gründe dafür sind komplex und vielfältig.

Die integrative Funktion von Staatsgewalt, Kultur und Erziehung lassen auch bei uns nach. Selbstzweifel und ungerechtfertigte Selbstanklage machen sich breit. Wir leiden seltsamerweise am schlechten Gewissen, das vollbracht zu haben, was anderswo kläglich gescheitert ist. Ein radikaler Wertrelativismus öffnet all jenen Tür und Tor, die die Grundlagen unseres Systems in Frage stellen wollen, um das ganze Bauwerk zu Fall zu bringen.

Unsere weltoffene und gastfreundliche Einstellung wird von gewissen Einwanderern missbraucht, denen es nur darum geht, unser Staatssystem und dessen Werte zu untergraben. Andere berufen sich auf die Rechte, die ihnen unser Land gewährt, um die Rechte anderer zu gefährden. Doch viele unserer politischen Gegner wollen das nicht wahrhaben und  verbeissen sich darin, auch den grössten Fanatiker nicht als Gefahr, sondern als hilfsbedürftiges Opfer zu betrachten, das im Grunde nicht anders denkt und handelt als wir.

Stellen Sie sich das mal vor: Da kommt ein Mensch zu uns, der von Kindesbeinen an gelernt hat, sich einem göttlichen, direkt vom Paradies auf seinen Propheten niedergegangenes Gesetz zu unterwerfen, und wir verlangen von ihm, dass er ihm weniger Wert beimessen soll als unseren fluktuierenden, von Menschen verfassten Gesetzen.

Wen wundert’s, wenn er mit Unverständnis reagiert.

Sein Bild der Frau, des Staates, sein Konzept von religiöser Toleranz, von Erziehung, von Justiz – er muss alles in Frage stellen und sich mit völlig neuen Wertvorstellungen identifizieren, die ihm einerseits Grenzen auferlegen und andrerseits Freiheiten aufdrängen, die er gar nicht will und die ihn verunsichern.

Seine Situation wird dadurch völlig schizophren. Mit einem Bein steht er in der Moderne, mit dem anderen ist er irgendwo zwischen der Antike und dem Mittelalter stecken geblieben. Hinzu kommen die mit seiner oft mangelhaften Ausbildung verbundenen sozialen Probleme. Er beginnt sich abzukapseln, neue Identifikationsmöglichkeiten ausserhalb des ihm immer verhasster werdenden Aufnahmelandes zu suchen. In gewissen Ländern kommt es darüber hinaus zur Bildung von zahlreichen Ghettos, von Parallelgesellschaften, in denen die Regeln des Rechtsstaates ausser Kraft gesetzt sind und importierte Rechtsgrundsätze gelten, die mit unserem Recht unvereinbar sind. Der aus der Bahn geworfene Immigrant beruft sich schliesslich auf den Koran, den er nie gelesen hat, und rechtfertigt damit sein Scheitern. Sein ständiges Schwanken zwischen Grössenwahn und Minderwertigkeitsgefühl führt ihn zu Frust und Hass, die sich schliesslich in sinnloser Zerstörungswut Luft machen, wie im Januar in Paris oder vor kurzem in Kopenhagen.

Falls wir nicht in der Lage sind, die Einwanderer aus dem islamischen Raum nahtlos zu integrieren und die gröbsten Dschihadisten los zu werden, haben wir ein Problem. Es droht eine Spaltung der Gesellschaft. Konkurrierende Wertsysteme werden sich wieder bekämpfen, wie im dreissigjährigen Krieg. Die nationale Kohärenz und die Grundmauern des Rechtsstaates sind aber auch in Gefahr, weil unsere Richter trotz des explosiven Kontexts davon ausgehen, dass die Ausdrucksfreiheit von religiösen Fanatikern höher zu gewichten sei als das Recht ihrer Mitbürger auf Sicherheit. 

Darum dürfen wir die Werte, die unser Land geformt haben, in keinem Fall aufgeben.

Wir müssen stolz darauf sein und uns zu ihnen bekennen.

Wir müssen geistig wachsen und kompromisslos auf gewissen Forderungen beharren, so nebensächlich sie auch scheinen mögen: das Tragen des Kopftuchs in der Schule, die Gesichtsverschleierung, der getrennte Schwimmunterricht von Knaben und Mädchen, das Schächten von Tieren, die Weigerung, eine Landessprache zu lernen, usw. dürfen nicht länger geduldet werden.

Denn der freie Mensch in unserem freien, souveränen Land hat auch Pflichten, nicht nur Rechte.

Wenn wir fest darauf beharren und nicht bei der ersten Medienhetze einknicken, dann werden, wie so viele Einwanderer vor ihnen, die meisten Ausländer zu verantwortungsbewussten Mitbürgern, zu Schweizer Bürgern, zu Pfeilern unseres Staatssystems.

Die Sozialisten, die alles und jeden bedingungslos reinlassen wollen, zeigen durch ihr Verhalten nur ihre Verachtung vor unseren Institutionen und ihre Gleichgültigkeit ihren Mitmenschen gegenüber.

Ihre Ideologie ist ihnen wichtiger als der elementarste Pragmatismus.

Ihre Toleranz ist Fassade, ihre Offenheit Trug, ihre Gleichmacherei zeugt von ihrem Hass für das Menschliche – Hass, den sie durch zur Schau gestellte Solidarität zu verschleiern versuchen.

Im Grunde leiden alle Eiferer – ob links, rechts oder religiös motiviert – an Selbsthass.

Da ihnen das Menschliche nicht behagt, wie es ist, versuchen sie es im Namen der Gleichstellung umzuerziehen, in ein Schema zu pressen, oder sie zerstören es im Namen eines höheren Ideals.

Ganz anders in der Schweiz. Hier hat jeder Bürger das Recht, er selber zu bleiben, ein einzigartiges, unersetzbares Wesen, dem die ständige Gleichmacherei gegen den Strich geht, weil sie im Grunde seine menschliche Würde verletzt.

Bei uns sind die Rechte, die Pflichten und Freiheiten des Einzelnen verbürgt. Mehr noch, der Bürger selber, als Souverän, ist ihr aufmerksamer Schutzpatron.

Darum ist es wichtig, dass wir keine fremden, von irgendwelchen übernationalen Mächten eingesetzten Richter zulassen. Wir wollen unser Recht selber bestimmen, auf der Grundlage jener zeitlosen moralischen Gesetze, wie sie die deutschen Klassiker Goethe und Schiller so treffend formuliert haben. Wir wollen ein souveräner Staat bleiben, in dem die Würde des Menschen unantastbar ist. Wir wollen keine geistige Leere, aber auch keinen engstirnigen, gewalttätigen Dogmatismus.

Bei uns soll jeder frei sein das zu denken, zu sagen und zu tun, was er will, so lange er die Freiheit, die Rechte und die Würde der Mitmenschen nicht gefährdet.

Wir haben unseren Kindern gegenüber die Pflicht, dafür einzustehen.

Je wohl erzogener, überzeugter und gefestigter der einzelne Staatsbürger, desto stärker unser Staatsgefüge, dessen Souverän er ist. Darum müssen wir unsere Kinder wieder zu verantwortungsvollen, selbstbewussten, furchtlosen und kritischen Bürgern erziehen und die Kontrolle über die Einwanderung zurückgewinnen, um diese so gestalten zu können, dass sie unser Staatssystem stärkt und nicht schwächt.

Falls wir aus Angst, aus Anpassungstrieb oder Zweifel unsere Souveränität, unser Selbstbestimmungsrecht, unser Rechtssystem und unsere Freiheit aufgeben, dann ist es aus mit unserem einzigartigen Staatsexperiment und wir versinken im Unverbindlichen, im Beiläufigen und Sinnentleerten.

Liebe Mitbürger, die Welt, wie wir sie gekannt haben, ist dabei, sich radikal zu verändern. Harte Zeiten brechen an, wo es wieder darauf ankommen wird, einander zur Seite zu stehen und unser Schicksal als Nation selber in die Hand zu nehmen. Unsere Vorväter haben uns den Weg vorgezeigt. Machen wir es ihnen gleich, glauben wir an uns selber, an die Leuchtkraft unserer Direktdemokratie und die Stärke unserer tief empfunden Menschlichkeit.

Seien wir hart aber gerecht, bestimmt aber human, entschlossen aber kompromissbereit, visionär aber pragmatisch, wie wir das in unserer langen, erfolgreichen Geschichte immer gewesen sind, dann wird uns keine Macht der Welt unsere Heimat nehmen können, weil sie in unserem Herzen besser geschützt ist als im dicksten Panzerschrank.

Seien wir stolz, Schweizer zu sein!

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