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Der Kampf der Sprachen

von Grossrätin Fabienne Despot, Präsidentin SVP Waadt, Vevey (VD)

Die Entscheidung des Thurgauer Grossrates, gefolgt vom Nidwaldner Regierungsrat, den Französischunterricht auf die Sekundarstufe zu verlegen, hat in der Romandie eingeschlagen wie eine Bombe.

Die Entscheidung des Thurgauer Grossrates, gefolgt vom Nidwaldner Regierungsrat, den Französischunterricht auf die Sekundarstufe zu verlegen, hat in der Romandie eingeschlagen wie eine Bombe. Dieser Aufschrei wurde östlich des Röstigrabens aber wenig verstanden, denn die Westschweizer Kritik hat vielfältige Hintergründe, auch widersprüchliche.

Es sind die Multikulturalisten, welche dem Credo anhängen, ein Maximum an Fächern und Sprachen schon in jungen Jahren zu unterrichten. Gleichzeitig bleiben sie stumm, wenn es um das Problem geht, dass die Kinder auf diese Weise, durch die Oberflächlichkeit der obligatorischen Schule, nicht einmal mehr ihre Erst- oder Muttersprache beherrschen.Thurgau und Nidwalden stellen sich auf den wissenschaftlich gestützten Standpunkt, dass die Primarschule nicht in der Lage ist, einen qualitativen Unterricht in zwei Fremdsprachen durchzuführen. Es muss daran erinnert werden, dass die deutsche Sprache für Deutschschweizer Schüler bereits eine Fremdsprache ist, genau wie das Französische in der Romandie für eine grosse Zahl von fremdsprachigen Kindern. Ausserdem sind die Methoden des Französischunterrichts unstrukturiert und basieren auf dem pädagogischen Prinzip des beiläufigen Spracherwerbs, ein totaler Gegensatz zur schulischen Realität.

Französisch zu Gunsten des Englisch?
Es gibt aber auch jene, welche im Frühsprachen-Entscheid der beiden Kantone den Sieg der englischen Sprache über die sehr viel schwieriger erlernbare französische Sprache sehen. Sie argumentieren, dass zuerst eine im Alltag nützliche Sprache erlernt werden soll, anstelle einer schwierigen Sprache, welche in Ton und Struktur weiter entfernt vom Schweizerdeutschen ist, aber dafür eine Sprache mit hohem kulturellem Wert darstellt. Englisch für den Alltag kann man wahrscheinlich in einem zweimonatigen Praktikum erlernen. Französisch und Deutsch verlangen dagegen einen viel strengeren Unterricht, denn die Struktur ist viel komplexer. Diese beiden Sprachen sind aber Träger der Kulturen unseres Landes. Deshalb sollte der Französischunterricht dem Englischen vorgehen.

Es ist unwahrscheinlich, dass der Französischunterricht durch einen intensiveren Unterricht auf der Sekundarstufe gefestigt wird,  selbst wenn er noch mit einem Sprachaufenthalt ergänzt wird.

Kantonale Hoheit beibehalten
Grundsätzlich ist es aber sicherlich eine richtige und beherzte Idee,  Sprachaufenthalte zu fördern. Die Entscheide im Thurgau und in Nidwalden sind aber in den Augen vieler Westschweizer trotzdem bedauerlich und kritisierbar. Diese Kritik versucht nun leider die Regeln des Föderalismus umzukrempeln. Die Kantone müssen aber ihre (bereits beschränkte) Handlungsfreiheit im Bildungswesen behalten. Sie müssen die Hoheit behalten, wie sie ihre Ziele erreichen wollen und mit welcher Priorität. Jene, welche heute mit einer Bundesintervention drohen, wären besser beraten, eine kritische Betrachtung der Methoden des Sprachunterrichts vorzunehmen.

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