Volksschule in der Krise: Die Lösungen der SVP

Wenn man landauf, landab mit Lehrpersonen, mit Eltern und mit Ausbildnern in den Betrieben spricht, so hört man ganz oft den Satz: «So wie es läuft, kann es nicht weitergehen.»

Benjamin Fischer
Benjamin Fischer
Nationalrat Oberweningen (ZH)

Und es geht dabei nicht um Nebensächlichkeiten, sondern um die Bildung. Es geht um das Fundament unseres Landes. Wir haben keine Rohstoffe. Doch wir sind eines der erfolgreichsten Länder, wenn nicht das erfolgreichste der ganzen Welt, wenn wir unseren Wohlstand anschauen. Das hat nichts damit zu tun, dass wir die besseren Menschen wären als andere. Es hat mit zwei Dingen zu tun: Erstens, wir haben das bessere System. Und zweitens, wir hatten immer top ausgebildete Menschen in diesem Land.

Unser Bildungssystem ist – oder muss ich sagen: war – einzigartig. Und es geht jetzt um die Frage: Wie können wir wieder sicherstellen, dass unsere Kinder das lernen, was sie für das Leben brauchen? Nämlich Grundlagen und Grundfähigkeiten.

Die Schule erfüllt ihren primären Auftrag nicht mehr
Geschätzte Damen und Herren, ich habe drei Kinder im Alter von sieben, drei und zwei Jahren. Sie werden irgendwann in den 2040er-Jahren auf den Arbeitsmarkt kommen. Niemand von uns weiss genau, wie die Welt dann aussehen wird. Niemand von uns weiss genau, welche Fähigkeiten sie dann haben müssen und welchen Beruf sie einmal ausüben werden.

Aber wir wissen heute ganz genau, welche Grundlagen wir ihnen mit auf den Lebensweg geben müssen, damit sie befähigt werden, was immer auch kommt, ihren Lebensweg erfolgreich zu gehen.

Die Volksschule war einmal Garant und Sprungbrett für den Aufstieg. Wer fleissig war, wer dranblieb, konnte etwas aus seinem Leben machen – unabhängig von Herkunft und vom Portemonnaie. Genau das ist der Schweizer Weg.

Heute erleben wir das Gegenteil. Wir erleben eine Schule, die ihre primäre Aufgabe immer weniger erfüllt. Und wenn die Schule nicht mehr qualifiziert, dann verliert unser Land auf der ganzen Linie – sozial, wirtschaftlich und kulturell.

Darum sprechen wir heute über Bildung mit Kopf, Herz und Hand. Jedem, der irgendetwas mit Bildung zu tun hat, sollte der Spruch von Pestalozzi nicht ganz unbekannt sein. Wir haben uns bewusst entschieden, diesen Ansatz wieder zur Leitlinie für unser neues Bildungspapier zu machen.

Belastung durch ungebremste Zuwanderung
Bevor ich nochmals zur Problembeschreibung und dann zu den Lösungen komme, möchte ich an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, meinen ganz herzlichen Dank auszusprechen an alle Lehrerinnen und Lehrer, die tagtäglich in unseren Klassenzimmern ihr Bestes geben und unter schwierigen Umständen versuchen herauszuholen, was möglich ist. Auf sie sind wir angewiesen.

Doch immer mehr verleidet es ihnen. Sie hören auf, sie wechseln in einen anderen Beruf. Zu grosse Klassen, mangelnde Sprachkenntnisse, verhaltensauffällige Kinder. Die Lehrer stehen unter enormem Druck, weil sie gleichzeitig unterrichten, integrieren, betreuen, therapieren, dolmetschen und dokumentieren müssen.

Die Folge ist ein Unterricht, der kaum jemandem mehr gerecht wird – weder den Leistungsstarken noch den Förderbedürftigen und schon gar nicht den durchschnittlich talentierten und unauffälligen Kindern. Die Nivellierung nach unten ist die Realität.

Besonders schwer wiegt die Belastung durch die ungebremste Zuwanderung. Und es braucht jetzt diesen Kurswechsel. Der ideologische Ballast des Lehrplans 21 muss weg. Ebenso das gescheiterte Dogma «Integration um jeden Preis».

Jeder vierte Schulabgänger kann nicht richtig lesen
Wir haben es gehört: Jeder Vierte kann nicht ausreichend lesen. In Mathematik sind die Leistungen seit 2015 deutlich gesunken. Beim Lesen ist es so, dass der Anteil jener, die das Mindestniveau nicht mehr erreichen, bereits auf über 25 Prozent gestiegen ist. Diese Kinder haben massive Mühe, längere zusammenhängende Texte zu verstehen.

Das hat einerseits damit zu tun, dass immer weniger Kinder die Unterrichtssprache ausreichend beherrschen. Und es hat andererseits auch mit der Digitalisierung zu tun, die einen massiv negativen Einfluss auf die Aufmerksamkeitsspanne hat – übrigens nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen.

Die Schule ist überladen. Am Ende macht man alles ein bisschen, aber nichts mehr richtig. Das System wird überfordert – vor allem durch die Zuwanderung und durch die gescheiterten Reformen: der integrative Unterricht als Standard, Frühfremdsprachen als zusätzliche Belastung, Kompetenzkauderwelsch statt klarer Lernziele, Digitalisierung als Zeitgeistprojekt ohne jedes Mass für den Sinn und ohne Rücksicht auf den Entwicklungsstand der Kinder.

Die SVP sagt klar: Bildung darf kein Experimentierfeld sein. Bildung ist unsere Kernaufgabe. Sie muss mit Kopf, Herz und Hand erfolgen – und nicht nur in Theorie und an Bildschirmen. Leistung, Fleiss, Verantwortungsbewusstsein und Werte wie Respekt müssen wieder gelebt werden.

Bildung bedingt die Beherrschung der Unterrichtssprache. Ohne Sprache keine Integration. Ohne Sprache keine Chancengleichheit. Bildung befähigt Menschen, ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten. Nicht der Staat soll das Leben planen, sondern die Menschen müssen fähig sein, es selbst zu tun.

10-Punkte-Plan der SVP
Ich komme zu den 10 wichtigsten Punkten unseres Bildungspapiers.

An erster Stelle steht für uns fest: Schulbildung bleibt Sache der Kantone. Die Bildung in der Volksschule muss föderal bleiben. Wir haben unterschiedliche Regionen, Sprachen und Kulturen – und es braucht den Wettbewerb der Ideen. Das Bessere soll sich durchsetzen. Man soll voneinander lernen können, was funktioniert und was nicht.

Wir sagen: Schluss mit der schleichenden Zentralisierung. Schluss mit der EDK, der Erziehungsdirektorenkonferenz, die sich immer mehr wie eine zusätzliche Staatsgewalt aufführt. Koordinieren ja – bevormunden nein. Die Kantone sind frei, sie können und müssen die Volksschule gestalten, ohne dass dies von der EDK abgesegnet wird.

Zweitens: Die Unterrichtssprache ist Voraussetzung und nicht Wunsch. Wer die Unterrichtssprache nicht ausreichend beherrscht, braucht eine Vorbereitungsklasse und kann nicht am Regelunterricht teilnehmen. Es braucht intensiven Sprachunterricht, damit die Kinder nachher wirklich am Unterricht teilnehmen können.

Die Eltern stehen in der Pflicht. Migration und Integration sind eine Bringschuld. Wer hierherkommt, ist auch verantwortlich dafür, dass er oder sie sich integriert. Wir geben sehr viele Möglichkeiten, aber sie müssen wahrgenommen werden. Wenn Eltern die Zusammenarbeit verweigern, ihr Kind nicht regelmässig in den Sprachunterricht schicken oder alles blockieren, muss das Konsequenzen haben – bis hin zur Aufhebung des Aufenthaltsstatus.

Drittens: Der Anteil fremdsprachiger Kinder in einer Klasse muss begrenzt werden. Wir haben von diesen Schwellenwerten gehört. Ab 20% wird es schwierig, ab 30% ist ein normaler Unterricht kaum mehr möglich.

Schule kann nicht alles: Fokussierung auf das Wesentliche
Viertens: Wir brauchen eine Rückkehr zum Leistungsprinzip. Es braucht Noten, es braucht Beurteilungen. Kinder brauchen Feedback. Sie müssen wissen, wo sie stehen. Und sie müssen auf das Leben vorbereitet werden. Es ist nicht fair, wenn man Kindern sagt: Ja, wir müssen dich nicht benoten, jeder lernt etwas in seinem Tempo. Und nachher kommen sie in eine Welt, die nicht so ist. In der Welt wird man beurteilt. In der Welt wird man an seiner Leistung gemessen. Darauf müssen Kinder vorbereitet werden.

Fünftens: Die Volksschule muss sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren: Lesen, Schreiben, Rechnen. Alle fordern ständig, was die Schule alles noch leisten müsse – Gesundheitskompetenz, Demokratiekompetenz, Wirtschaftskompetenz, Umweltkompetenz, Digitalisierungskompetenz. Die Lösung auf quasi jedes Problem ist: Die Schule muss.

Nein, meine Damen und Herren. Die Schule kann nicht alles. Das Resultat ist: alles ein bisschen – und nichts mehr richtig. Darum braucht es eine klare Fokussierung auf das Wesentliche. Und darum sagen wir auch klar: eine Fremdsprache in der Primarschule – eine. Ob das eine Landessprache oder Englisch ist, ist Sache der Kantone.

Natürlich ist es wichtig für den nationalen Zusammenhalt, dass Deutschschweizer Kinder Französisch lernen und umgekehrt. Aber die Realität ist: Sie können es nicht. Die Resultate sind katastrophal. Untersuchungen zeigen, dass es kaum einen Unterschied macht, ob man in der fünften Klasse mit Französisch beginnt oder erst in der Oberstufe. Auch das zeigt: Das, was man tut, muss man richtig tun und nicht alles ein bisschen.

Der integrative Unterricht ist gescheitert
Sechstens: Wir müssen die Lehrpersonen stärken. Lehrpersonen müssen Autoritätspersonen sein. Kinder lernen in Beziehung zu einer Lehrperson. Wir dürfen sie nicht wie Befehlsempfänger, Bürokraten oder Sozialarbeiter behandeln. Wir müssen sie bürokratisch entlasten, damit sie sich auf den Unterricht konzentrieren können.

Siebtens: Der integrative Unterricht ist gescheitert. Man versucht dies immer schön zu reden. Es braucht wieder Kleinklassen für Kinder mit Lernschwächen, Förderklassen für Hochbegabte – und vor allem Lösungen für verhaltensauffällige Kinder. Wenn in einer Klasse ein oder zwei massiv verhaltensauffällige Kinder sind, kann das den gesamten Klassenverband um Monate zurückwerfen. Alle Kinder leiden darunter. Weil einer verhaltensauffällig ist und sich nicht in den Klassenverband einordnen kann.

Achtens: Weniger Bildschirm, mehr Beziehung, mehr Handwerk und Bewegung. Zu viel Bildschirmzeit schadet dem Lernerfolg, verkürzt die Aufmerksamkeitsspanne und erhöht die Ablenkung. Kinder lernen in Beziehung mit Menschen – mit Gefühl, Emotion und durch Tun. Deshalb braucht es Handyverbote während der Schulzeit.

Neuntens: Keine pseudowissenschaftlichen Woke- und Genderthemen in den Schulen. Auf unkorrekte und dem Deutschen fremde Satzzeichen innerhalb von Wörtern sowie umständliche Formulierungen soll verzichtet werden. Extremistische Ideologien rund um LGBTQ+XY haben insbesondere in der Primarschule keinen Platz. Sexualerziehung ist Sache der Eltern. Die Schule kann unterstützen, aber die Thematisierung von Geschlechtsidentität oder sexueller Präferenz ist nicht Aufgabe der Schule.

Rückbesinnung auf Schweizer Stärken
Liebe Delegierte, die Volksschule steht an einem Wendepunkt. Entweder bringen wir sie zurück zu ihrer Kernfunktion – oder wir schauen weiter zu, wie die Bildungsqualität abnimmt. Das können wir uns nicht leisten.

Unser Wohlstand ist nicht gottgegeben. Unser zukünftiger Erfolg ist nicht gottgegeben. Wir müssen jeden Tag dafür arbeiten. Und das beginnt bei unseren Kindern – indem wir sie befähigen, ein erfolgreiches und zufriedenes Leben zu führen und etwas für diese Gesellschaft beizutragen.

Ich fasse unter Punkt 10 zusammen: Wir brauchen eine Rückbesinnung auf Schweizer Stärken und auf unsere Werte: auf Föderalismus, Leistungsprinzip, unsere Sprachen, Respekt und praktische Fähigkeiten. Wir müssen wieder den Anspruch haben, zu den Besten zu gehören. Unsere Vorfahren hatten diesen Anspruch.

Das beginnt in der Volksschule.

Der Handlungsauftrag ist klar
Erstens: Die Qualifikationsfunktion der Schule muss wieder Vorrang haben – Lesen, Schreiben, Rechnen und Vorbereitung auf das Leben.

Zweitens: Weniger richtig machen statt alles ein bisschen. Ideologie muss raus. Schule ist kein Ort für politischen Aktivismus. Die Schule soll bilden und nicht missionieren.

Drittens: Die Systemeffizienz muss wiederhergestellt werden – weniger Bürokratie, mehr Bildung.

Jetzt ist es an uns, diesen Kurs durchzusetzen. Wir haben dieses Bildungspapier erarbeitet, wir haben Vorstösse in den Kantonen und eine enge Zusammenarbeit mit unseren Bildungsverantwortlichen vor Ort. Denn die Kantone müssen es umsetzen.

Ich danke Ihnen ganz herzlich für Ihren Einsatz – denn es geht um unsere Kinder, um unsere Zukunft und um die Zukunft der Schweiz.

Benjamin Fischer
Benjamin Fischer
Nationalrat Oberweningen (ZH)
 
Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten und Zugriffe auf unsere Webseite analysieren zu können. Ausserdem geben wir Informationen zur Nutzung unserer Webseite an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.Details ansehen Details ansehen
Ich bin einverstanden