
Die Initiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser» strebt einen Selbstversorgungsgrad von 70 % an. Auch wenn das Ziel auf den ersten Blick interessant erscheint, ist der Weg dorthin jedoch völlig unverantwortlich.
Diese Initiative mit ihrem irreführenden Titel zielt eindeutig darauf ab, ein veganes Ernährungsdiktat durchzusetzen, indem sie Lebensmittel tierischen Ursprungs von unseren Tellern verbannen will.
Tatsächlich sollen wir laut Initiativtext künftig sowohl unsere Produktion als auch unseren Konsum von Fleisch, Eiern, Milchprodukten und anderen Erzeugnissen tierischen Ursprungs deutlich reduzieren und uns hauptsächlich von einheimischen pflanzlichen Lebensmitteln ernähren.
Vor allem aufgrund ihrer Topografie und der Beschaffenheit ihres Territoriums ist die Schweiz traditionell ein Weideland. 80 % der landwirtschaftlichen Fläche werden als Weiden oder Wiesen genutzt, was insbesondere einen wirksamen Schutz vor Bodenerosion und -abtrag ermöglicht und gleichzeitig die Artenvielfalt stärkt.
Die Viehzucht liefert nicht nur Milchprodukte und Fleisch, sondern sorgt auch für die Pflege der Landschaft und erfüllt zahlreiche Funktionen, die für die Gemeinschaft von Nutzen sind und trägt so zur Schönheit der Schweizer Landschaft bei. Tatsächlich verhindert die Pflege der Weiden und Almen durch Tiere das Wachstum von Sträuchern und trockenem Gras und verringert so die Gefahr von Bränden oder Lawinen im Winter.
Unsere sauberen Weiden und unsere schönen Wiesen, auf denen unsere Kühe, Schafe oder Ziegen grasen, sind das Markenzeichen und das Bild der Schweiz.
Es ist auch diese Identität, unsere Identität, die durch die Initiative zum Ernährungsdiktat angegriffen wird.
Auch die traditionell für den menschlichen Verzehr bestimmten Kulturen (Kartoffeln, Raps, Rüben oder Weizen) leiden unter dem Klimawandel und der Trockenheit. Zudem sind sie anfällig für Schädlinge und Krankheiten.
Um die Ernten zu schützen, muss daher regelmässig auf Pflanzenschutzmittel zurückgegriffen werden, während Wiesen und Weiden nur sehr wenige Pflanzenschutzmassnahmen erfordern.
Diese Initiative würde zu einer tiefgreifenden Umgestaltung unserer Landwirtschaft und unseres Lebensmittelsystems führen – verbunden mit neuen Auflagen, die einheimische Lebensmittel verteuern würden. Die Initiative würde zudem das Gewerbe im Lebensmittelsektor – konkret Bäcker, Metzger, Käsehersteller etc. – hart treffen. Damit wären zahlreiche Arbeitsplätze in der Verarbeitung, Verpackung und Vermarktung von Schweizer Agrarprodukten gefährdet.
Diese Initiative würde unsere Nahrungsmittelproduktion erheblich schwächen und stellt damit ein Risiko für unsere Ernährungssicherheit dar. Die Initiative würde die Schweiz noch stärker von Importen abhängig machen.
Der Bundesrat betont, dass die Ziele der Initiative nur um den Preis radikaler Veränderungen in der landwirtschaftlichen Produktion und den Verarbeitungsketten erreicht werden könnten.
Ob im Gesundheits-, Energie-, Ernährungs- oder Sicherheitsbereich – Pandemien, Krisen, Kriege oder geopolitische Spannungen gefährden unsere Versorgungssicherheit. Wir haben mehrfach erlebt, wie anfällig internationale Lieferketten sein können.
Gerade um solche Engpässe zu vermeiden, müssen wir unsere Versorgungssicherheit stärken, insbesondere im Lebensmittelbereich. Dies jedoch ohne der Schweizer Bevölkerung Vorschriften dazu zu machen, wie sie sich ernähren soll.
Das Ziel der Initiative ist es, der Schweizer Bevölkerung per Verordnung eine vegane Ernährung aufzuzwingen und die Konsumfreiheit massiv einzuschränken. Das lehnen der Bundesrat und das Parlament klar ab: Der Nationalrat sagte mit 194 zu 0 Stimmen bei 0 Enthaltungen Nein zur Initiatibve. Und der Ständerat lehnte sie ebenfalls einstimmig ab.
Wenn wir in der Schweiz mehr pflanzliche Lebensmittel produzieren wollen, dann nicht mit einer solch extremen Initiative, sondern mit pragmatischen Lösungen. Es gibt beispielsweise den Ansatz, das Raumplanungsgesetz anzupassen, um die Vorschriften für den Bau von Gewächshäusern für den Gemüseanbau zu lockern.
Der Gewächshausanbau wird oft aus Unkenntnis kritisiert. Er ist eine der saubersten und rationellsten Produktionsarten, die pro Quadratmeter einen drei- bis fünfmal höheren Ertrag gewährleistet als der Freilandanbau.
Durch eine präzise Steuerung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit wird das Klima im Gewächshaus kontrolliert, was eine nahezu ganzjährige Produktion ermöglicht, ohne den Launen des Wetters ausgesetzt zu sein.
Hinzu kommt: Mit geeigneten Anlagen sind fast keine Pflanzenschutzmittel erforderlich, da Schädlinge durch geeignete Nützlinge bekämpft werden können. Durch gezielte Wasser- und Nährstoffzufuhr erfolgt die Düngung in homöopathischen Dosen, was eine rationelle und ressourcenschonende Produktion gewährleistet.
An dieser Stelle ist es mir ein Anliegen, die hervorragende Arbeit der Schweizer Gemüsebauern zu würdigen. Sie setzen sich jeden Tag dafür ein, uns trotz des harten ausländischen Wettbewerbs und des unzureichenden Grenzschutzes, mit gesundem und hochwertigem Gemüse zu versorgen.
Fazit:
Die Bauernfamilien und die Akteure der Lebensmittelbranche produzieren vielfältige, hochwertige und regional erzeugte Lebensmittel nach hohen Standards – zum Wohle und zum Genuss der Bevölkerung.
Sie setzen sich jeden Tag konsequent und pragmatisch dafür ein, die Ernährungssicherheit in der Schweiz zu stärken, und berücksichtigen dabei die Realitäten vor Ort.
Die Bauernfamilien, die Handwerker der Lebensmittelbranche und – da bin ich mir sicher – die Schweizer Bevölkerung wollen kein staatlich verordnetes Ernährungsdiktat.
Deshalb am 27. September:
NEIN zur Initiative „Für sichere Lebensmittel“
NEIN zum Vegan-Diktat – wir wollen die Kontrolle über unsere Ernährung behalten!
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.