Der Widerstand gegen das EU-Vertragspaket wächst. Das zeigte die EU-Debatte im September im Ständerat.

Folgende 15 Ständerätinnen und Ständeräte stimmten Nein: MCG-Ständerat Mauro Poggia (GE) und die vier FDP-Ständeräte Severin Brüngger (SH), Thierry Burkart (AG), Martin Schmid (GR) und Hans Wicki (NW). Mitte-Ständerätin Heidi Z’graggen (UR) und ihre Kollegen Daniel Fässler (AI), Peter Hegglin (ZG) und Beat Rieder (VS). SVP-Ständerätin Esther Friedli (SG) und ihre fünf Kollegen Marco Chiesa (TI), Hannes Germann (SH), Werner Salzmann (BE), Pirmin Schwander (SZ), Jakob Stark (TG).
Worum geht es beim EU-Unterwerfungsvertrag? Die Schweiz müsste mit einem Schlag 20’000 Seiten EU-Regulierungen übernehmen – und auch das ganze künftige EU-Recht, das wir gar nicht kennen. Zum Beispiel im Bereich der Zuwanderung. Nicht mehr wir Schweizerinnen und Schweizer haben das Sagen, sondern die EU-Kommissare, EU-Bürokraten und
EU-Richter.
Mit einem Ja zu den monströsen Vertragswerken würde die Schweiz nicht nur in finanzieller und wirtschaftlicher Hinsicht mehr geschwächt als gestärkt, sondern vor allem auch in direkt-demokratischer Hinsicht. Dort würde sogar ein irreversibler Schaden entstehen.

Hannes Germann
Ständerat (SH), SVP
Würde ein Unternehmer einen solchen Vertrag unterschreiben? Ich glaube nicht, denn die dynamische Rechtsübernahme kann zu Situationen führen, die es bisher nicht gab. Bei jedem anderen Vertrag können wir darauf hinweisen, was unterschrieben wurde. Die Rechtsanpassung jemand anderem zu überlassen, ist für mich jedoch ein wesentliches Problem.

Martin Schmid
Ständerat (GR), FDP
Heute sind wir in diesem Haus auf Bundesebene der Gesetzgeber. Künftig würde die Initiative für neue Regeln weder vom Bundesrat noch von uns im Parlament ausgehen, sondern von der EU-Kommission.

Daniel Fässler
Ständerat (AI), Die Mitte
Würde ich jemals einen Vertrag unterzeichnen, dessen künftigen Vertragsinhalt ich nicht kenne und den ich nicht mitentscheiden, sondern nur mitberaten kann? Ich würde das nie tun. Zum Video

Beat Rieder
Ständerat (VS), Die Mitte
Wenn Sie auf Souveränität verzichten, um ein wenig vorübergehenden Wohlstand zu erreichen, dann werden Sie zuerst die Souveränität verlieren und anschliessend auch den Wohlstand.

Beat Rieder
Ständerat (VS), Die Mitte
Meine Abwägungen sind klar: Der Verlust unserer Rechte, unserer Eigenständigkeit, wiegt gegenüber den wirtschaftlichen Vorteilen deutlich schwerer.

Werner Salzmann
Ständerat (BE), SVP
Der Titel der vorliegenden Verträge geht in Richtung eines Etikettenschwindels: Es sind nicht die Bilateralen III, sondern es ist ein Teilbeitritt unseres Landes zur Europäischen Union, einfach ohne Mitsprache und ohne Mitbestimmung.

Esther Friedli
Ständerätin (SG), SVP
Ich bin ein überzeugter Föderalist. Ich will nicht, dass die EU der Schweiz künftig die Gesetzgebung diktiert.

Peter Hegglin
Ständerat (ZG), Die Mitte
Interessant ist auch, dass sich der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse bei jeder Gelegenheit über die Zunahme der Regulierung in der Schweiz beklagt, hier aber die Regulierungswut der EU nicht erwähnt, sondern sogar sagt, man solle sie übernehmen.

Peter Hegglin
Ständerat (ZG), Die Mitte
Wenn die Schweizer Bevölkerung anders abstimmt, als die EU will, darf die EU uns mit Ausgleichsmassnahmen abstrafen. Das ist eine Zwangsjacke für unsere direkte Demokratie.

Marco Chiesa
Ständerat (TI), SVP
Die effektiven Auswirkungen dieser Vorlage sind weder absehbar noch vorhersehbar. Wir tauchen ab in eine Unterwelt der Unsicherheiten, in ein Labyrinth ohne Ausgang.

Pirmin Schwander
Ständerat (SZ), SVP
Unser Bundesgericht wäre somit nicht mehr die höchste richterliche Instanz, sondern dem Gerichtshof der Europäischen Union untergeordnet.

Mauro Poggia
Ständerat (GE), MCG
Manchmal frage ich mich, wann genau wir in der Schweiz aufgehört haben, stolz auf unsere Freiheit, auf unser einzigartiges politisches System zu sein. Zum Video

Heidi Z’graggen
Ständerätin (UR), Die Mitte
Wenn das Volk oder das Parlament neues Recht ablehnt, darf die EU uns mit sachfremden, sektionsübergreifenden Ausgleichsmassnahmen – ich sage das Wort jetzt halt – abstrafen. […] Es ist eines souveränen Staates unwürdig, wenn ein externer Akteur ihn vertraglich bestrafen darf.

Heidi Z’graggen
Ständerätin (UR), Die Mitte
Dieser Paradigmenwechsel von einer freiwilligen zu einer generell obligatorischen Übernahme des EU-Rechts stellt für mich nichts anderes als – ich muss es in dieser Deutlichkeit sagen – eine Teilintegration der Schweiz in die EU dar.

Jakob Stark
Ständerat (TG), SVP