Mitmachen
Referat

Für eine selbstverantwortliche Schule

Unsere Schulen sind Unternehmen im Dienstleistungssektor und wie in jedem Unternehmen dieser Art hängt die Qualität der erbrachten Leistung und damit die Kundenzufriedenheit von zwei Hauptfaktoren…

Unsere Schulen sind Unternehmen im Dienstleistungssektor und wie in jedem Unternehmen dieser Art hängt die Qualität der erbrachten Leistung und damit die Kundenzufriedenheit von zwei Hauptfaktoren ab: von einer funktionierenden Infrastruktur und – als zentraler Faktor – von der Professionalität der Mitarbeitenden.

In einem erfolgreichen Unternehmen werden die Mitarbeitenden ihren Kompetenzen entsprechend eingesetzt. Der Sachbearbeiter ist zuständig für die Administration, der Ausbildner ist an der Front und bringt dort seine Fähigkeiten zum Tragen. Warum ist dies heute nicht mehr möglich im Unternehmen Schule? Warum verbringen viele gut ausgebildete Pädagogen einen immer grösseren Teil ihrer – wohlverstanden gut bezahlten – Arbeitszeit mit dem Ausfüllen von immer mehr Formularen?

Und vor allem, und dies ist die zentrale Frage: können wir es uns leisten, dass durch die fortschreitende Entwicklung, weg vom eigentlichen pädagogischen Kerngeschäft, durch immer neue Reformansätze – ursprünglich motivierte Lehrpersonen, wenn sie denn von der Altersstruktur her die Möglichkeit haben, in die Wirtschaft wechseln oder – und das ist für alle Beteiligten tragisch – weiter als frustrierte Mitarbeitende „Dienst nach Vorschrift" leisten?

Ein weiterer Punkt, bei dem es gilt, genau hinzuschauen, ist die Überfrachtung des Lehrberufs. Lautete der ursprüngliche Berufsauftrag, Bildung zu vermitteln, so wissen wir doch alle, dass dies reine Theorie geworden ist. Sozialarbeit, Erziehungsberatung für überforderte Eltern bis hin zur Lausprävention sind nur einige der Aufgaben, die es neben dem ursprünglichen Kerngeschäft, zu erfüllen gilt.

Eine weitere Überfrachtung findet statt im Bereich der „Kundschaft", sprich der Kinder und Jugendlichen, die ein Anrecht haben auf einen Unterricht, dessen Ziel es ist – wie in unzähligen Leitbildern formuliert – „die Kinder und Jugendlichen auf ein selbst bestimmtes Leben in der Gesellschaft vorzubereiten, sie ernst zu nehmen in ihrer Individualität und ganzheitlich zu fördern." Können Sie, verehrte Anwesende, mir erklären, wie eine Lehrperson diesen Ansprüchen unter den heutigen Voraussetzungen gerecht werden soll? Bis zu sechsundzwanzig Schülerinnen und Schüler in einer Klasse. Einige aus familiär belasteten Situationen, andere mit Migrationshintergrund. Kann ein solches Leitbild umgesetzt werden, wenn – wie vom Kanton Zürich geplant – ich zitiere aus dem Tagesanzeiger vom 27. November „500 Plätze im Sonderschulbereich abgebaut werden und schwierige und geistig behinderte Kinder und Jugendliche, wenn möglich in ihrer Wohnortgemeinde, am besten sogar in normalen Klassen unterrichtet werden sollen?"

Welches sind nun aber mögliche Antworten auf diese Fragen? Was kann und soll verändert werden, um den Lehrberuf wieder attraktiv zu machen und damit auch Lehrpersonen auszubilden, die wirklich Pädagogen und Pädagoginnen aus Überzeugung sind und nicht – wie dies in nicht wenigen Fällen geschieht – weil sie in anderen Studienrichtungen chancenlos wären?

Obwohl die ganze Fragestellung ein wenig in die „Huhn-oder-Ei" Richtung geht, so meine ich doch, dass wir einen guten Ansatz bei der Ausbildung von zukünftigen Lehrpersonen haben. Wenn schon beinahe jeder Kanton seine eigene Pädagogische Hochschule hat, so sollten auch hier die Standards so verbindlich sein, dass das Qualitätsgefälle in der Hochschullandschaft minimiert werden kann. Auch meine ich, dass es Sinn macht, die Aufnahmeverfahren zu erweitern und zu vereinheitlichen, um bereits hier eine sinnvolle Selektion vorzunehmen und kostenintensive Leerläufe zu vermeiden. Noch mehr Wert gelegt werden sollte auf die Ausbildung von Sozialkompetenz, Gesprächsführung, Konfliktmanagement und „last but not least" auch auf ein stilsicheres Auftreten vor einer Klasse und bei Elternanlässen.

Derart ausgebildeten Fachleuten gilt es dann zu vertrauen, zu vertrauen dass sie ihrem Berufsauftrag gerecht werden. Innerhalb der durch den Lehrplan vorgegebenen Leitlinien sollte jede Lehrperson den gestalterischen Freiraum haben, die verbindlichen Ziele umzusetzen. Schwierig wird es allerdings dann, wenn – wie bereit erwähnt – alle paar Jahre eine Änderung dieses Lehrplans ansteht und, wie beim Lehrplan 21 sehr schön aufgezeigt wird, vor allem Theoretiker bei der Ausarbeitung die Federführung innehatten/innehaben.

Unsere Gesellschaft tut also gut daran, den Lehrkräften den Rücken zu stärken, damit sie ihrem Auftrag auch nachkommen können. Letztlich kann wohl kaum die Schule als Institution die Verantwortung übernehmen, sondern es sind die Menschen, die in diesem Umfeld tätig sind. Daraus ergibt sich, dass die Lehrkraft eine umfassende Verantwortlichkeit im Bereich der Wissensvermittlung aber auch der Klassenführung hat.

„Guter Unterricht ist ein Unterricht, in dem mehr gelernt als gelehrt wird" meint dazu der deutsche Psychologe und Pädagoge Franz Emanuel Weinert sehr trefflich. Und dazu gehört eben auch die Vermittlung von Leistungswillen, die Vermittlung, dass sich Anstrengung und Leistung lohnen.

„Leistung aus Leidenschaft" – dieser Slogan eines grossen Bankinstituts fasst meiner Ansicht nach zusammen, was eine gute Lehrperson ausmacht. Und mit Menschen, die den Lehrberuf aus Freude und Leidenschaft ausüben, mit Lehrpersonen die auch die ihnen zustehende gesellschaftliche Wertschätzung erfahren, haben wir den Schlüssel in der Hand, unsere Kinder und Jugendlichen so auszubilden, dass sie, wie oben zitiert, „in der Lage sind ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben zu führen."

Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es weder Harmonisierung und Gleichmacherei der Strukturen, sondern Menschen, die „ihre" Schule in einem weit gesteckten Rahmen weiterbringen wollen, engagierte Menschen, die vor allem unsere Kinder weiter bringen wollen.

über den Autor
Lieni Füglistaller
SVP Nationalrat (AG)
mehr zum Thema
Parteizeitung
Artikel teilen
04.12.2019, von Sandra Sollberger
Mit einem wuchtigen Mehr von rund 85 Prozent hat das Baselbieter Stimmvolk kürzlich den Ausstieg aus dem... mehr lesen
Parteizeitung
Artikel teilen
04.12.2019, von Diana Gutjahr
Die links-grünen Politiker im Bundesparlament haben einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub beschlossen. Die Folgen wären: Weniger Lohn für alle... mehr lesen
Vernehmlassung
Artikel teilen
28.11.2019
Die SVP lehnt die stärkere Einmischung des Bundes in die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung – also... mehr lesen
weiterlesen
Themen & Standpunkte
Werkplatz Schweiz

Mehr Wirtschaftsfreiheit statt Bürokratie.

Landwirtschaft

Für eine einheimische Produktion.

Medien

Mehr Vielfalt, weniger Staat.

Wir sind Heimat

Die Schweiz hat eine eigene Geschichte, sie ist geprägt von ihren Kulturen, von ihren Traditionen, ihren Werten und den Menschen, die hier im friedlichen Miteinander leben.

Asylpolitik

Asylchaos stoppen.

Sport

Gut für Körper und Geist.

Ausländerpolitik

Zuwanderung auf ein gesundes Mass reduzieren.

Mensch, Familie, Gesellschaft

Eigenverantwortung statt Bevormundung.

Religion

Zu unseren Werten stehen.

Social Media
Besuchen Sie uns bei:
Oder öffnen Sie unsere Social Pinwand. Alle Posts und Bilder auf einer Seite.
Newsletter
Wenn Sie regelmässig über die SVP und unsere Arbeit informiert werden wollen, abonnieren Sie hier unseren Newsletter.
Schweizerische Volkspartei SVP, Generalsekretariat, Postfach, 3001 Bern
Tel. 031 300 58 58 – Fax 031 300 58 59 – E-Mail: info@svp.ch – PC: 30-8828-5

Diese Seite teilen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten und Zugriffe auf unsere Webseite analysieren zu können. Ausserdem geben wir Informationen zur Nutzung unserer Webseite an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Details ansehen
Ich bin einverstanden