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Editorial

Selbstkritik statt Selbstgefälligkeit

Innerhalb von nur zwei Monaten forderte das Corona-Virus in unserer kleinen Schweiz über 1000 Todesopfer. Das wirft Fragen auf. Waren wir ungenügend vorbereitet und das trotz einer 13-köpfigen Pandemiekommission? Das BAG hat zwar einschneidende Massnahmen, die auch erwartungsgemäss gewirkt haben, die aber leider immer einen Schritt zu spät kamen. Damit wir besser auf eine nächste Welle vorbereitet sind, sind jetzt eine schonungslose Analyse und Selbstkritik nötig.

Gemäss einer Umfrage* halten 67 Prozent der Schweizer Bevölkerung die Notstandsmassnahmen des Bundesrates für angemessen. Das zeigt die Informationspolitik funktioniert gut. Vor allem war und ist sie gut in eigener Sache. Die eigene Arbeit wird gut bewertet, präsentiert und stets mit stoischer Ruhe vorgetragen. Die bisherigen Massnahmen der Pandemiebekämpfung zeigen Wirkung, was erwartet werden darf! Kurvenverläufe werden stolz publiziert und wecken Optimismus.

Jedoch nicht das gegenseitige Schulterklopfen, sondern erst der Blick über den Zaun zeigt, wie gut wir wirklich sind. Mit aktuell** 1187 Covid-19-Toten bei 8,5 Millionen Einwohnern hoffen wir in der Nähe des Peaks zu sein. Hongkong mit 7,6 Millionen Einwohnern hat das Stadium längst hinter sich und verzeichnete Ende März vier Covid-19-Todesfälle, Taiwan mit 24 Millionen Einwohnern fünf. Im Unterschied zur Schweiz hatte Taiwan dank seiner schnellen und konsequenten Massnahmen keinen „Lock-down“ des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens durchführen müssen, der von jedem Land einen enormen menschlichen und finanziellen Tribut fordert.

Dass Hongkong-Chinesen und Taiwanesen keine Schweizer sind erklärt diesen riesigen Zahlenunterschied kaum. Waren diese doch nur 600 Kilometer von Wuhan, dem Epizentrum der Pandemie, entfernt und hatten damit eine viel ungünstigere Ausgangslage als wir. Die Vorbereitungszeit von Hong Kong und Taiwan war kürzer, der Eindämmungseffekt dennoch um ein Vielfaches grösser.

War die Schweiz vorbereitet auf eine Pandemie?

Nach Angaben der Website des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI) bereitet sich die Schweiz seit 1995 systematisch auf eine Influenza-Pandemie vor. Es besteht ein 128-seitiger Pandemieplan sowie seit 2007 ein 40-seitiges Handbuch für die betriebliche Vorbereitung. Seit 2012 hat das EDI eine eidgenössische Kommission für Pandemievorbereitung und Pandemiebewältigung (EKP) mit 13 Mitgliedern.

Weckruf verpasst!

Nachdem China am 31.Dezember 2019 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine spezielle Lungenerkrankung, eine völlig atypisch verlaufende Pneumonie, meldete, hätten in der Schweiz die Alarmglocken läuten müssen. Die EKP-Verantwortlichen hätten aus dem „Winterschlaf“ aufschrecken sollen, um fahrlässig Versäumtes nachzuholen. Denn wird der Start verpasst, ist man immer die entscheidenden Schritte zu spät. Denn je schneller und konsequenter man bei der Bekämpfung einer Pandemie handelt, desto wirkungsvoller sind die einzelnen Massnahmen, desto weniger kann sich das Virus ausbreiten, desto schneller hat man die Neuinfektionsraten und die Erkrankungsfälle im Griff, desto schneller können die Massnahmen wieder gelockert werden und desto weniger hoch sind die volkswirtschaftlichen Folgen.

Schnell reagieren kann nur, wer gut vorbereitet ist und die Lager gefüllt hat.

Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) hat jedoch die Krisenvorsorge vernachlässigt. Die Ethanol-Reserven von bis zu 10`000 Tonnen wurden still und heimlich aufgelöst als die frühere Eidgenössische Alkoholverwaltung 2018 privatisiert wurde. Man wollte nach Aussage einer Sprecherin des BWL 2020 die Versorgungssituation anschauen. Doch nun kam das Coronavirus dazwischen. Die Ethanol-Notreserven fehlen, die nun dringend zur Herstellung von Desinfektionsmitteln benötigt würden. Genauso fehlen die für das Gesundheitspersonal so nötigen Atemschutzmasken. Obwohl bereits 2016 festgestellt wurde, dass der Sollbestand lediglich zu 65 Prozent erfüllt war, blieb es nur bei Empfehlungen, die Pflichtlager aufzufüllen. Auch die Hygienemasken für die Bevölkerung fehlen in rauen Mengen.

Statt die Fehler ehrlich auf den Tisch zu legen und dazu zu stehen, wird mit Unwahrheiten operiert. Und nachdem gebetsmühlenartig über Wochen verkündet wurde: Masken würden nicht nützen, wird es mindestens so schwierig sein, die Bevölkerung von der Wichtigkeit des Maskentragens zu überzeugen wie die Masken in genügender Anzahl zu beschaffen. Der schrittweise Re-Start für Gesellschaft und Wirtschaft wird unnötig erschwert, was uns weitere Milliarden an Steuerfranken kosten wird.

Masken bieten zwar keinen 100-prozentigen Schutz. Gemeinsam mit allen anderen Hygienemassnahmen sind jedoch sogar selbsthergestellte Masken besser als nichts!

Wir werden viel aus diesen Fehlern lernen können. Aber nur, wenn wir kritisch bleiben, Fehler klar benennen und analysieren, statt die Situation schönzureden und uns gegenseitig auf die Schultern zu klopfen.

*07.04.20 SRG-Umfrage: 67%  https://www.srf.ch/news/schweiz/corona-umfrage-der-srg-die-schweiz-ist-optimistischer-geworden

**21.04.20  https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/novel-cov/situation-schweiz-und-international.html#-1222424946

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