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Referat
Medienkonferenz vom 11. Mai 2009

Agrarfreihandel – Qualität ohne Bedeutung

Es ist durchaus möglich, dass in einzelnen Branchen – beispielsweise im Hochtechnologiebereich – Freihandel für Schweizer Unternehmen von Vorteil ist. Dies gilt jedoch nicht für den Agrarbereich…

 Milly Stöckli, Grossrätin, Aargau (AG)

Es ist durchaus möglich, dass in einzelnen Branchen – beispielsweise im Hochtechnologiebereich – Freihandel für Schweizer Unternehmen von Vorteil ist. Dies gilt jedoch nicht für den Agrarbereich. Die Vorraussetzungen und Bedingungen in der Landwirtschaft sind zu spezifisch, als das mit der simplen Rechnung „Agrarfreihandel = mehr Export = mehr Einkommen für die Landwirtschaft“ gerechnet werden darf.

Wetter, Klima, Bodenbeschaffenheit und räumlich-örtliche Gegebenheiten definieren und limitieren die Produktionsmöglichkeiten des Landwirtes. Wie bereits erwähnt, begrenzen auch viele Vorschriften und Gesetze des Tier- und Umweltschutzes und des Gesundheitswesens die Flexibilität der Bauern. Über diese hohen Anforderungen im Sinne von Qualität und Ethik freuen sich die Konsumentinnen und Konsumenten und bestimmt auch die Tiere. Die Erwartungen der Gesellschaft an die Landwirtschaft und deren Produkte sind zu recht hoch und werden von den Landwirten gerne erfüllt – vorausgesetzt man gibt ihnen eine faire Chance dazu, die darin besteht, aus Arbeit und Produktion ein Einkommen zu generieren, von dem eine Familie und ein Betrieb leben können.

Die landwirtschaftlichen Betriebe sind bereits heute – auch ohne Freihandel – einem hohen Preisdruck ausgesetzt, welcher durch die grossen Lebensmittelhandelsketten aufgebaut wird. Zu den beiden Schweizer Grossunternehmen kommen laufend neue, noch mächtigere Ketten aus dem Ausland, welche – ebenfalls ohne Freihandelsabkommen – den Wettbewerbsdruck im gesamten Nahrungsmittelbereich laufend erhöhen. Dennoch sind es diese Bereiche des Handels und der Verarbeitung, welche den grössten Teil der sogenannten Marktspanne ausmachen und nicht die Bauern am Beginn der Produktionskette.

Die Marktspanne beziffert wie viel die Schweizer Haushalte insgesamt mehr für Lebensmittel ausgeben mussten, als diese in der EU gekostet hätten (für die Jahre 2002/04 rund 11.6 Milliarden Franken).

Die wohlklingenden Argumente der guten Chancen von Nischenprodukten im Hochpreissegment vermögen in keiner Weise zu überzeugen. Auch wenn Qualität in der Herstellung und im Produkt hoch geschätzt werden, wird an der Kasse dennoch das Preisargument dafür entscheidend sein, welche Produkte sich durchsetzen. In wirtschaftlich schlechten Zeiten gilt dies ganz besonders. Durch die Degradierung der Schweiz zum „Veredelungsstandort“ wird die einheimische Nahrungsmittelproduktion – oder eben Veredelung – geschwächt und höchst anfällig für Krisen gemacht. Stattdessen sollte der Agrarsektor dahingehend gestärkt werden, dass eine umfassende und vielfältige Produktion aufrecht erhalten wird, die unser Land auch in Krisenzeiten schützt und stützt. Deshalb fordert die SVP den Abbruch der Verhandlungen zum Agrarfreihandel als Bekenntnis zu einer gesunden eigenen Landwirtschaft.

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