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Der Mensch ist nicht abschliessend erforscht – Sterben ist und bleibt ein Mysterium

«Organspenden retten Leben.» Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und Swisstransplant werden nicht müde, Ihnen die Vorteile der Organspende anzupreisen und Sie zu motivieren, Ihre Organe zu spenden. Die Organspende ist aber kein Produkt, das beworben werden soll, sondern ein medizinischer Eingriff. Über medizinische Eingriffe muss neutral und ergebnisoffen aufgeklärt werden, die Vor- und Nachteile müssen vermittelt werden.

von Dr. med. Alex Frei, Co-Präsident Komitee «Nein zur Organspende ohne explizite Zustimmung», Winterthur (ZH)

Ich werde Ihnen nun aufzeigen, was Sie meines Erachtens über die Organentnahme-Operation (Explantation) wissen sollten, damit Sie sich gut informiert für oder gegen diesen Eingriff entscheiden können.

Organe am Lebensende spenden können nur Menschen, die in einem Spital einen Hirntod erleiden.

Wie aber kommt es zum Hirntod?
Am Anfang steht immer ein plötzliches Ereignis, typischerweise ein Unfall mit schwerer Kopfverletzung, eine Hirnblutung oder ein Hirnschlag.

Diese Personen kommen dann im Spital auf die Intensivstation und weil das Atemzentrum im Hirn oft nicht mehr funktioniert werden sie künstlich beatmet.

Trotz intensivmedizinischer Behandlung kann es innert weniger Stunden zum Absterben des Hirns kommen. Diese Patienten sind dann hirntot. Sie werden gemäss Gesetz für tot erklärt und ihnen dürfen jetzt Organe entnommen werden.

Hirntote sehen aber aus wie Schlafende, ihre Haut ist rosig und warm und ihr Herz schlägt. Es ist ja auch nur das Hirn tot, der ganze restliche Körper lebt noch und funktioniert. Nur 3% des Körpers sind tot, die restlichen 97% leben noch.

Die herbeigerufenen Angehörigen sind im Schock und in Trauer. Trotzdem müssen Sie sich entscheiden, ob die Organe ihres Familienmitglieds gespendet werden sollen.

Selbst wenn der hirntote Mensch einen Organspendeausweis hat, werden die Angehörigen um ihre Zustimmung gebeten. Die Behandlungsteams in Europa, selbst in Ländern mit der Widerspruchsregelung, wollen auf keinen Fall den Schmerz der Angehörigen durch eine unerwünschte Organentnahme erhöhen. Sie führen daher keine Organentnahmen durch, wenn die Angehörigen nicht einverstanden sind.

Renato Lenherr ist ein Arzt, der solche Gespräche mit Angehörigen führt. Er ist ärztlicher Leiter Organspende des Universitätsspitals Zürich.

In der Sendung 10 vor 10 am 5.5.2021 sagte er: «Die Angehörigen sind in einem Ausnahmezustand, in einem Schockzustand. Die haben jetzt erfahren, dass ihr Liebster tot ist. Und in so einem Zustand kann man nicht mehr rational entscheiden, man kann nicht wie Abstand nehmen und überlegen, (…) man ist wie in einem Tunnel drin.»

In 60% der Fälle entscheiden sich die Angehörigen gegen eine Spende. Dann werden die Maschinen auf der Intensivstation abgestellt und es kommt zum Atemstillstand und in wenigen Minuten zum Herzstillstand. Die Angehörigen können ihr Familienmitglied bis zum letzten Atemzug begleiten. Kinder können in den Armen ihrer Eltern sterben.

Geben die Angehörigen ihr Familienmitglied zur Organspende frei, müssen sie sich von ihm auf der Intensivstation verabschieden und es in fremde Hände geben. Diese bringen es zur Organentnahme in den Operationssaal. Dort erhält der hirntote Mensch eine Vollnarkose. Da das Rückenmark noch funktioniert, könnte es ohne Vollnarkose beim Aufschneiden des Körpers zu Schmerzreaktionen kommen wie Blutdruckanstieg, kaltem Schweiss, Tränen der Augen und Abwehrbewegungen mit Armen und Beinen kommen.

Da das Hirn ausgefallen ist, können diese Schmerzen gemäss Lehrmeinung nicht mehr wahrgenommen werden. Wissenschaftlich beweisen lässt sich dies aber nicht.

Die Narkose wird vor allem durchgeführt, damit das Operationsteam durch die Bewegungen des Spenders nicht psychisch belastet wird.

Anschliessend werden von mehreren Ärzteteams, die aus den Transplantationszentren angereist sind, die Organe entnommen. Der hirntote Mensch macht jetzt seinen letzten Atemzug. Das Herz wird mit einem Medikament gelähmt, zum Stillstand gebracht und entnommen. Die Operation dauert rund sechs Stunden.

Am Ende der Operation wird der Körper zugenäht, gewaschen und Verbände werden angelegt. Anschliessend wird der Leichnam in den Aufbahrungsraum gebracht.

Die Angehörigen erhalten nun ihr Familienmitglied als kalten Leichnam zurück. Auch Verwandte und Freunde können sich nun verabschieden. Was ich Ihnen jetzt beschrieben habe ist die Organspende nach Hirntod.

Organspende nach Herzkreislaufstillstand
Es gibt aber noch eine zweite Art der Organspende am Lebensende, die Organspende nach Herzkreislaufstillstand.

Diese Art der Organspende hat in den letzten Jahren in der Schweiz stark zugenommen und macht heute rund einen Drittel der Fälle aus.

Am Anfang besteht kein Unterschied zu den Patienten mit Hirntod. Auch diese Patienten liegen mit einer Hirnschädigung auf der Intensivstation, aber bei Ihnen kommt es nicht zu einem vollständigen Absterben des Hirns.

Wenn die Prognose auf eine Besserung hoffnungslos ist, entscheiden sich das Behandlungsteam und die Angehörigen, die lebenserhaltenden Massnahmen abzubrechen und den Patienten sterben zu lassen.

Wenn diese Patienten Organspender sind, wird nach Abstellen der Massnahmen und dem eingetretenen Herzstillstand 5 Minuten gewartet. Viele Experten sind der Meinung, dass das Hirn nach 5 Minuten ohne Blutversorgung ganz abgestorben ist. Das wird als sekundärer Hirntod bezeichnet.

Da bei dieser Art der Organspende das Herz nicht mehr schlägt und die Organe somit nicht mehr durchblutet werden, besteht ein grosser Zeitdruck, damit die Organe nicht zu stark geschädigt werden. Die Wartezeit wurde 2017 in der Schweiz von 10 auf 5 Minuten reduziert. Andere Fachleute sind aber der Meinung, dass selbst eine Wartezeit von 30 Minuten nicht genügt. Deswegen ist diese Art der OS in Deutschland verboten.

Anschliessend wird entweder sofort mit der Organentnahme begonnen oder der Spender wird für zwei bis vier Stunden an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, damit die Organe sofort wieder durchblutet werden und sich erholen können. Dieses Verfahren wird in Genf durchgeführt. Danach erfolgt die Organentnahme.

Damit aber das Hirn nicht auch wieder durchblutet wird und eventuell Hirnfunktionen zurückkommen, wird die Blutzufuhr zum Hirn mit einem Ballon in der Hauptschlagader blockiert.

Das zeigt, dass die Mediziner nicht sicher sind, dass das Hirn 5 Minuten nach Herzstillstand irreversibel ausgefallen ist. Der irreversible Ausfall ist aber gemäss Transplantationsgesetz Voraussetzung für die Todesfeststellung. Daher kritisieren Fachleute, dass Lebende unters Messer kommen und diese Art der Organspende illegal sei.

Die grösste Fachgesellschaft von Ärzten der Welt, die Vereinigung der amerikanischen Internisten mit 161’000 Mitgliedern, hat im April 2021 vergeblich verlangt, dass dieses Verfahren in den USA gestoppt wird.

Welches sind die wichtigsten Kritikpunkte an der Organspende am Lebensende?

  1. ist der Hirntod der Tod des Menschen?
    Das ist in der Fachwelt keinesfalls unumstritten. Namhafte Experten wie Professor Robert Truog von der Harvard Universität in den USA sind heute der Meinung, dass der Hirntod nicht der Tod des Menschen sei. Sie sind aber auch der Meinung, dass es dennoch gerechtfertigt sei, hirntoten Menschen Organe zu entnehmen, da anderen Menschen geholfen werden kann. Spender werden also durch die Organentnahme getötet. Experten sprechen von «Justified killing», dem gerechtfertigten Töten.
  1. Die Angehörigen
    Diese sind nicht entscheidungsfähig, müssen sich aber dennoch entscheiden. Das kann dazu führen, dass Angehörige später, wenn sie wieder klar denken können und sich weiter über die Organentnahme informiert haben, ihren Entscheid bitter bereuen. In Deutschland haben betroffene Eltern einen Verein gegründet.
  • «KAO ist eine Initiative gegründet von Eltern, die im Schockzustand ihre verunglückten Kinder zur Organspende freigegeben haben, ohne die Hintergründe zu diesem Zeitpunkt genau genug zu kennen.
  • Erst nachdem ihre Kinder beerdigt waren, haben sie begriffen, wozu sie ja gesagt hatten. Sie haben begriffen, dass lebende Organe nicht von Menschen entnommen werden können, die so tot sind, wie sie es sich vorgestellt hatten.
  • Ihre Entscheidung haben sie daher bitter bereut. Durch ihre Zustimmung waren ihre Kinder in ihrem Sterbeprozess, in dem sie ihrer besonderen Liebe bedurften, ungeschützt allein gelassen und einer Organentnahme überantwortet, die hinterher wie das Ausschlachten eines Autowracks erschien.»
  1. Ist der Mensch genügend erforscht, um solche Eingriffe zu verantworten?
    Was bedeutet die Explantation für die sterbende Person?

St. Galler Tagblatt, 1. März 2022:
Erstmals haben Mediziner ein Gehirn beim Sterben beobachtet
Neurochirurgen massen zufällig die Hirnströme eines Mannes, als er unerwartet starb. Das wirft nun neue Fragen auf, auch wann der richtige Zeitpunkt für eine Organspende ist.

Beobachter, 9. Juni 2016:
Es geht auch (fast) ohne Hirn
Ein Student erreicht mit fünf Prozent Hirnmasse einen IQ von 126.
Liegt die heutige Neurowissenschaft komplett daneben?
Das grosse Rätsel: Die Hirnforschung kann nicht erklären, wo das Bewusstsein sitzt

Fazit

  • Die Explantation ist ein massiver Eingriff in den Sterbeprozess.
  • Der Mensch ist nicht abschliessend erforscht.
  • Sterben ist und bleibt ein Mysterium.

Ich empfehle Ihnen, diese Tatsachen bei Ihrer Entscheidung bezüglich Organspende zu bedenken.

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