Massentierhaltungs-Initiative: Weshalb sie unnötig und schädlich ist

Was wollen eigentlich die Initianten der Massentierhaltungs-Initiative in unserem Land ändern?

Martin Haab
Martin Haab
Nationalrat Mettmenstetten

Schauen wir uns den Initiativtext an, so erscheint ein Hauptziel klar, nämlich das Ende der industriellen Tierhaltung in der Schweiz. Unverhohlen geben die Initianten zu, dass mit der drastischen Senkung unserer Tierbestände, der Konsum von Fleisch und anderen tierischen Produkten wie Eier, Käse oder Milch, stark gesenkt werden muss. Staatlich verordneter Teil-Veganismus so zu sagen.

Was ist nun aber die Definition von industrieller Tierhaltung? Der Initiativtext gibt uns auf diese Frage in Abs. 2 folgende Antwort: «…eine industrielle Tierhaltung zur möglichst effizienten Gewinnung tierischer Erzeugnisse, bei der das Tierwohl systematisch verletzt wird.»

Allein schon diese Behauptung, dass in der Schweiz das Tierwohl systematisch verletzt wird, grenzt an eine Diffamierung unserer Bäuerinnen und Bauern, die sich während 365 Tagen im Jahr nach bestem Wissen und Gewissen um das Tierwohl jedes einzelnen Tieres kümmern. Als praktizierender Landwirt, der in den letzten Jahrzehnten, dank meiner Arbeit in den verschiedenen Verbänden aber auch aus persönlichem Interesse, unzählige Tierhaltungen auf der ganzen Welt besuchen konnte, weiss ich von was ich spreche. Gerade im letzten Monat hatte ich die Gelegenheit einen Rindermast-Betrieb, ein sogenannter «Feedlot», im US-Bundesstaat Colorado zu besuchen, welcher 120’000 Tiere hält ( www.fiveriverscattle.com ). Da kann man von Massentierhaltung sprechen, bei welcher das Tierwohl in vielen Fällen missachtet wird.

Dazu möchte die Initiative sämtliche Importe von tierischen Nahrungsmitteln dem Schweizer Gesetz unterstellen. Dies erachte ich als eine löbliche Idee, die aber aus handelstechnischen Überlegungen schlicht und einfach unmöglich umzusetzen ist. Als Massstab für die zukünftige Haltung sollen mindestens die Bio-Standards von 2018 erfüllt sein. Somit sollen die Auflagen eines privaten Labels in die Bundesverfassung übernommen werden.

Die Schweiz ist nun einmal ein Grasland. 70% der landwirtschaftlich genutzten Flächen sind nicht für den Ackerbau und somit nicht für den Anbau von pflanzlicher Nahrung für den Menschen geeignet. Da der Mensch Gras nur schwer und äusserst ineffizient verdauen kann, bleibt uns nur die Haltung von Wiederkäuern, um diese Flächen in Form der Fleischproduktion für den Menschen zu nutzen.

Die Nutztiere sind nicht nur Nahrungsmittellieferanten für den Menschen, sondern auch Lieferanten von natürlichem Dünger für unsere Böden. Auch tragen sie stark dazu bei, dass Foodwaste reduziert wird. Rund 365’000 Tonnen Nebenprodukte aus der Schweizer Lebensmittelindustrie landen im Futtertrog unserer Nutztiere und schliessen somit den Nährstoffkreislauf.

Die Initianten argumentieren mit den zu hohen Nutztierbeständen in unserem Land. Dies ist völlig falsch. In den letzten 40 Jahren haben die Nutztierbestände in unserem Land, gerechnet nach Grossvieheinheiten (GVE), um 21.5% abgenommen. Die viel

geschmähten Rindviehbestände sind von 1.26 Mio. auf 936’000 Tiere gesunken, also um mehr als einen Viertel! Geflügel jedoch hat sich in dieser Zeitspanne beinahe verdoppelt. Dies im Zuge des Ernährungstrends der letzten Jahrzehnte. Schweizer Eier und Schweizer Poulet sind von unseren Konsumenten gefragter denn je zuvor. Im Vergleich dazu: Die Bevölkerung in der Schweiz ist in diesen 40 Jahren um 2.5 Mio. oder um 40% gewachsen – von 6.2 Mio. auf 8.7 Mio. Menschen.

Es gibt bei uns keine Massentierhaltung wie es uns die Initianten versuchen zu suggerieren. Das Schweizer Tierschutzgesetz lässt dies nicht zu und in der Verordnung werden die Höchsttierbestände für Geflügel, Schweine und Kälber klar festgelegt – einmalig auf der ganzen Welt. Solche Höchstbestände kennt ausserhalb der Schweiz niemand! Das effektive Wohl des einzelnen Tieres hängt nicht primär von der Grösse der Herde ab, sondern von der professionellen Haltung und Betreuung. Es ist völlig falsch und praxisfremd, wenn man nach der Devise urteilt: Klein und Bio ist gut für das Tier, gross und professionell ist für das Tier schlecht. In den meisten Fällen ist es nämlich gerade umgekehrt.

Wer Lebensmittel kaufen möchte, die über dem gesetzlichen Standard liegen, hat bei uns die Wahl. Nebst Demeter, Bio und IP-Schweiz, stehen dem Konsumenten viele weitere private Label zur Verfügung. Was das Herz begehrt. Bei den aller meisten Label jedoch harzt der Absatz, vor allem in der momentanen Zeit der unter Druck stehenden Kaufkraft. Der Absatz an Bioprodukten stagniert oder geht sogar zurück. Der Konsument kauft am Montag leider nicht immer das Produkt, von welchem er am Abstimmungssonntag spricht.

Warum wäre die Initiative schädlich? Die Produktion der im Trend liegenden regionalen Produkte würde drastisch gesenkt. Importe würden rasant ansteigen, da sich das Konsumverhalten von Herrn und Frau Schweizer nach dem Abstimmungssonntag ja nicht ändern würde. Die neusten Studien belegen auch, dass die Preise um rund 40% steigen werden. Dazu schränkt staatlich verordnete Bioproduktion die Wahlfreiheit des Käufers ein.  Die raumplanerischen Konflikte sind ebenfalls zu erwähnen, denn an Stelle von einer Geflügelmasthalle für 18’000 Hühner, würden in Zukunft neun Ställe an je 2000 Tiere nötig sein, um die Produktion der beliebten Schweizer Poulets zu erhalten.

Mein Schlussfazit: Am 25. September ein wuchtiges NEIN zu dieser unnötigen Initiative. Massentierhaltung in unserem Land existiert eigentlich nur im Bienenstock und keiner stört sich dort daran.  Tierische Lebensmittel, welche unter dem Aspekt von Massentierhaltung und systematischer Verletzung des Tierwohls produziert wurden, sind nur bei den Importen zu finden. Diese Importe würden sich bei Annahme der Initiative verdoppeln, darum wäre ein solcher Entscheid für das Wohl der Tiere kontraproduktiv.

Der wahre Beweggrund der Initianten ist einmal mehr entlarvt. Nicht das Wohl des Tieres steht im Vordergrund, sondern der Klimahype und damit das Umerziehen des mündigen Bürgers:  Die Schweizer müssen ihren Fleischkonsum um 70% senken, um mit diesem vom Staat aufgezwungenen Speisezettel das weltweite Klima zu retten.

Powerpoint (.pptx)

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