Ansprache vom 18. April 2026, gehalten von Christoph Blocher, a. Nationalrat und a. Bundesrat, an der ordentlichen Mitgliederversammlung von PRO SCHWEIZ.

Referat von Christoph Blocher (PDF)
I. Das Wunder der Schweiz
Der Ökonom Friedrich Engels, ein Kommunist, bereiste Mitte des 19. Jahrhunderts alle europäischen Länder und stellte unmittelbar vor der Gründung des schweizerischen Bundesstaates – also vor 1848 – fest, dass mit allen europäischen Ländern wirtschaftlich zu rechnen sei – mit einer Ausnahme: der Schweiz. Diese sei klein, verfüge über keine Bodenschätze, über keinen Binnenmarkt und keinen Meeranschluss. Die Schweiz habe eine unmögliche topografische Lage mit einem Alpenriegel. Mit vier Sprachen sei sie nicht kommunizierbar.
Er spottete über die «Freiheit der Viehzüchter» und sprach (wörtlich) von «Barbarei», «Stagnation» und «Stammeskämpfen des Ur-Schweizertums». Die Schweiz – so Engels weiter – sei ein «Überbleibsel einer vergangenen Geschichtsepoche». Ökonomisch gesehen hatte Engels bei aller Übertreibung so unrecht auch wieder nicht. Mit diesen ökonomischen Hindernissen ist das Schweizerland nicht gerade mit Erfolgsfaktoren gesegnet, ja es müsste zum Untergang verdammt sein. Doch machen wir einen Sprung: Wie hat sich die Schweiz entwickelt?
Aus dem einstigen Armenhaus Europas ist eine der wohlhabendsten Nationen der Welt geworden. Sie schwingt in internationalen Ranglisten bezüglich Wohlstand oder Zufriedenheit regelmässig obenaus. Sie hat aus ihrer Armut etwas gemacht und die allgemeinen wirtschaftlichen Nachteile missachtet. Es ist der Sonderfall Schweiz, mit einer erfolgreichen Staatsform, die zum Erfolg führte.
Das Geschehene grenzt an ein Wunder! Die Devise hiess: Mit der ganzen Welt freundschaftlich und offen verkehren, global wirtschaftlich tätig sein, aber die Gestaltung des eigenen Landes nicht aus den Händen geben. Selbstbestimmt handeln.
Das heisst: Gegen aussen unabhängig, gegen innen freiheitlich, mit weltweit einzigartigen Bürgerrechten, föderalistisch aufgebaut, marktwirtschaftlich, aber selbstbestimmt. Die Regeln des Zusammenlebens gab sich die Schweiz selber. Oder wie dies der erste Präsident des Bundesrates des neuen schweizerischen Bundesstaates von 1848, Johannes Furrer, angesichts internationaler Einmischungen aussprach: «Die unabhängige Schweiz wird sich weiterhin selber regieren!».
II. Von Kriegen verschont
Erstaunlich ist aber nicht nur der wirtschaftliche Erfolg, sondern auch das Leben im Frieden. Die Schweiz konnte sich über 200 Jahre verteidigen ohne Kriege führen zu müssen. Sie wusste stets: «Si vis pacem para bellum.» Oder auf deutsch: «Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor.» …
Denn 1920 trat sie im Friedensrausch dem Völkerbund bei …
III. Das Schlüsseljahr 1938
Doch die Preisgabe der integralen Neutralität …
IV. Und heute?
Meine Damen und Herren Heute sind wir wieder in einer ähnlichen Situation wie 1920 …
Wer diese Neutralität relativiert oder flexibilisieren will …
V. Neutralität als Identifikationsmerkmal
Als internationaler Unternehmer habe ich stets erlebt …