Integration – ein Experiment mit schweren Folgen

Extrablatt Extrablatt Februar 2013

Eine Volksschule, in der fast alle Kinder in der integrativen Klasse ihren Platz finden, scheint für viele Bildungstechnokraten am runden Tisch die Ideallösung zu sein. Die meisten Integrationsmodelle gehen aber von einer Schönwetterpädagogik mit optimalen Rahmenbedingungen aus…

Verena Herzog, Geschäftsfrau, Mutter von 3 erwachsenen Kinder, ehemalige Kindergärtnerin, Kantonsrätin und Nachfolgerin im Nationalrat von Peter Spuhler, Vereidigung am 4. März, Frauenfeld (TG)

Eine Volksschule, in der fast alle Kinder in der integrativen Klasse ihren Platz finden, scheint für viele Bildungstechnokraten am runden Tisch die Ideallösung zu sein. Die meisten Integrationsmodelle gehen aber von einer Schönwetterpädagogik mit optimalen Rahmenbedingungen aus. Da fragt sich nur: Zu welchem Preis soll integriert werden und wie sieht die Realität aus? Während die Beschulung in der integrativen Klasse für einzelne Kinder z.B. mit einer leichten Lernschwäche oder einer körperlichen Behinderung tatsächlich eine Chance bedeutet, wird anderen Kindern mit schwereren Defiziten täglich bewusst gemacht, dass sie im Unterricht nicht mitkommen und gemessen an der Klassennorm immer eine Sonderbehandlung nötig haben. Enttäuschung und Desintegration sind die Folgen.

Mit dem Integrationsauftrag haben viele Volksschulen die Sonder-, Klein- und Einschulungsklassen, in denen Kinder nach ihrem Tempo in kleinen Gruppen individuell gefördert und gefordert werden konnten, abgeschafft. Dafür wurde ein Stab mit Heilpädagogen, Förderlehrkräften und verschiedenster Therapeuten aufgebaut, der die Lehrpersonen in ihrer Arbeit unterstützt. Dieser Stab erfordert jedoch unzählige Absprachen, bringt Unruhe ins Klassenzimmer – der Unterricht wird massiv gestört. Statt Einsparungen werden Mehrkosten generiert.

Vielerorts hat sich die Vollintegration alles andere als bewährt. Die Kinder sind entweder über- oder unterfordert. Spannungen nehmen zu, Leistungsziele werden nicht erreicht. Die Zuteilung von verhaltensauffälligen Kindern bringt das Fass zum Überlaufen. Nicht genug damit; jetzt sollen gar integrative Klassen mit Altersdurchmischung gebildet werden. Kinder, Eltern und Lehrer sind frustriert. Lernen wir von diesen Erfahrungen und greifen auf bewährte Modelle zurück, damit die angerichteten Schäden wieder eliminiert werden können.

von Verena Herzog, Geschäftsfrau, Mutter von 3 erwachsenen Kinder, ehemalige Kindergärtnerin, Kantonsrätin und Nachfolgerin im Nationalrat von Peter Spuhler, Vereidigung am 4. März, wohnhaft in Frauenfeld (TG)

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